Elliott Carter

Elliott Cook Carter (* 11. Dezember 1908 in New York City; † 5. November 2012 ebenda) war ein US-amerikanischer Komponist.

Elliott Carter wurde 1908 als Sohn eines reichen New Yorker Textilhändlers auf der Upper West Side geboren. 1924 hörte er in der Carnegie Hall Igor Strawinskis Le sacre du printemps. Die neuartigen, dissonanten Klänge waren für ihn „das Größte, was ich je gehört hatte“. Ihm wurde klar, dass es mit der von seinen Eltern gewünschten Übernahme des Textilgeschäftes nichts werden würde. An der Highschool, wo er von Charles Ives gefördert wurde, begeisterte er sich für die damalige avantgardistische Musik. Er studierte Englisch und Musik an der Harvard University und an der Longy School of Music, zu seinen Lehrern gehörten Walter Piston und Gustav Holst. Dort sang er auch im Chor der Universität, dem Harvard Glee Club. 1932 schloss er sein Studium in Harvard mit einem Master ab. Ein Studium von 1932 bis 1935 an der École Normale de Musique in Paris bei Nadia Boulanger schloss er als Doktor der Musik ab. Seither lebte er als Komponist und Lehrer in New York und Waccabuc (NY), seit 1945 in Greenwich Village.
Von 1940 bis 1944 unterrichtete Elliott Carter am St. John’s College in Annapolis, Maryland. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er für das United States Office of War Information. Nach dem Krieg unterrichtete er am Peabody Conservatory (1946–1948), an der Columbia University, dem Queens College, New York (1955–1956) und der Yale University (1960–1962). Seit 1967 war er an der Cornell University tätig und seit 1972 auch an der Juilliard School. Für das Tanglewood Music Center unterrichtete er jährlich Meisterklassen für Komposition.
Carter galt als Nestor amerikanischer moderner Musik. Er gewann 1960 sowie 1973 den Pulitzer-Preis und war Träger zahlreicher weiterer Auszeichnungen. 1963 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, 1967 wurde er als Mitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen und 1985 mit der National Medal of Arts ausgezeichnet. Am 7. Februar 2009 wurde ihm für sein Lebenswerk als nicht aufführender Musikschaffender ein besonderer Grammy Award, der Trustees Award, verliehen.
Carters erste Kompositionen sind dem „Neoklassizismus“ zuzuordnen. Zunehmend unzufrieden mit seiner eigenen musikalischen Sprache, begab er sich 1950 nach „Sonora Desert“ bei Tucson/Arizona und schrieb dort sein erstes Streichquartett. Dieses 40-minütige Werk stellt einen Wendepunkt in Carters Schaffen dar. Es ist schroffer, dissonanter und komplexer als seine früheren Werke. Den einzelnen Instrumenten werden vorher bestimmte Intervalle, Gesten und rhythmische Proportionen (z. B. Triolen, Quintolen, Septolen) zugeordnet. Am besten ist diese Technik in seinem 3. Streichquartett zu beobachten. Die Spieler sind in zwei Duos unterteilt (Violine I und Cello/ Violine II und Viola), die weit voneinander getrennt gleichzeitig unterschiedliche Sätze spielen.
1997 schrieb Carter, bald 90-jährig, seine erste Oper What Next, die in Berlin an der Staatsoper Unter den Linden durch Nicolas Brieger und Daniel Barenboim mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Mit zunehmendem Alter wurde seine Musik leichter (jedoch nicht im spieltechnischen Sinn), durchsichtiger und humoresker.
Die Musiker Pierre Boulez, Heinz Holliger und Daniel Barenboim sind die bekanntesten Förderer seiner Musik. Aaron Copland, Nicolas Nabokov und Leonard Bernstein zählten zu seinen Freunden.
Carter heiratete am 6. Juli 1939 die Bildhauerin Helen Frost-Jones; das Paar bekam einen Sohn, David Chambers Carter. Um ihn zu unterstützen, gab seine Frau später die Bildhauerei auf. Carter pflegte sie während einer schweren Krankheit bis zu ihrem Tod im Jahre 2003.
Benjamin Britten (1974) | Olivier Messiaen (1975) | Mstislaw Rostropowitsch (1976) | Herbert von Karajan (1977) | Rudolf Serkin (1978) | Pierre Boulez (1979) | Dietrich Fischer-Dieskau (1980) | Elliott Carter (1981) | Gidon Kremer (1982) | Witold Lutosławski (1983) | Yehudi Menuhin (1984) | Andrés Segovia (1985) | Karlheinz Stockhausen (1986) | Leonard Bernstein (1987) | Peter Schreier (1988) | Luciano Berio (1989) | Hans Werner Henze (1990) | Heinz Holliger (1991) | H. C. Robbins Landon (1992) | György Ligeti (1993) | Claudio Abbado (1994) | Sir Harrison Birtwistle (1995) | Maurizio Pollini (1996) | Helmut Lachenmann (1997) | György Kurtág (1998) | Arditti Quartet (1999) | Mauricio Kagel (2000) | Reinhold Brinkmann (2001) | Nikolaus Harnoncourt (2002) | Wolfgang Rihm (2003) | Alfred Brendel (2004) | Henri Dutilleux (2005) | Daniel Barenboim (2006) | Brian Ferneyhough (2007) | Anne-Sophie Mutter (2008) | Klaus Huber (2009) | Michael Gielen (2010) | Aribert Reimann (2011) | Friedrich Cerha (2012) | Mariss Jansons (2013) | Peter Gülke (2014) | Christoph Eschenbach (2015) | Per Nørgård (2016)

Lagrange (Territoire de Belfort)

Lagrange (deutsch früher Scheuern) ist eine Gemeinde im französischen Département Territoire de Belfort in der Region Franche-Comté.

Lagrange liegt auf 377 m Meereshöhe, etwa zehn Kilometer ostnordöstlich der Stadt Belfort (Luftlinie). Das Straßenzeilendorf erstreckt sich im Norden der Burgundischen Pforte, auf dem Plateau im Vorland der Vogesen, zwischen den Talmulden der Madeleine im Westen und des Ruisseau de Saint-Nicolas im Osten.
Die Fläche des 0,93 km² großen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt der nur schwach reliefierten Landschaft im Bereich der Burgundischen Pforte (Trouée de Belfort). Das gesamte Gebiet wird von einem Plateau eingenommen, das durchschnittlich auf 375 m liegt und ganz leicht gegen Südosten geneigt ist. Es ist überwiegend mit Acker- und Wiesland bedeckt, zeigt aber auch einige Waldflächen. Auf einer Anhöhe nordwestlich des Dorfes wird mit 383 m die höchste Erhebung von Lagrange erreicht.
Nachbargemeinden von Lagrange sind Saint-Germain-le-Châtelet und Angeot im Norden, Larivière im Osten und Süden sowie Bethonvilliers im Westen.
Erstmals urkundlich erwähnt wird Lagrange im Jahr 1322. Zunächst im Einflussbereich der Herren von Montbéliard stehend, gelangte das Dorf Mitte des 14. Jahrhunderts unter die Oberhoheit der Habsburger. Zusammen mit dem Sundgau kam Lagrange mit dem Westfälischen Frieden 1648 an die französische Krone. Seit 1793 gehörte das Dorf zum Département Haut-Rhin, verblieb jedoch 1871 als Teil des Territoire de Belfort im Gegensatz zum restlichen Elsass bei Frankreich. Seit 1997 ist Lagrange Teil des Gemeindeverbandes Communauté de communes du Tilleul. Kirchlich gehört es zu Larivière.
Mit 119 Einwohnern (1. Januar 2013) gehört Lagrange zu den kleinsten Gemeinden des Département Territoire de Belfort. Nachdem die Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgenommen hatte (1896 wurden noch 70 Personen gezählt), wurde seit Mitte der 1970er Jahre wieder ein kräftiges Bevölkerungswachstum verzeichnet. Seither hat sich die Einwohnerzahl verdreifacht.
Lagrange war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein vorwiegend durch die Landwirtschaft (Ackerbau, Obstbau und Viehzucht) und die Forstwirtschaft geprägtes Dorf. Heute gibt es einige Betriebe des lokalen Kleingewerbes und eine neue Gewerbezone am westlichen Ortsausgang. Mittlerweile hat sich das Dorf zu einer Wohngemeinde gewandelt. Viele Erwerbstätige sind auch Wegpendler, die in den Agglomerationen Belfort und Mülhausen ihrer Arbeit nachgehen.
Die Ortschaft ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Sie liegt nahe der Hauptstraße N83, die von Belfort nach Mülhausen führt. Der nächste Anschluss an die Autobahn A36 befindet sich in einer Entfernung von ungefähr zwei Kilometern. Weitere Straßenverbindungen bestehen mit Bethonvilliers und Larivière.
Andelnans | Angeot | Anjoutey | Argiésans | Autrechêne | Auxelles-Bas | Auxelles-Haut | Banvillars | Bavilliers | Beaucourt | Belfort | Bermont | Bessoncourt | Bethonvilliers | Boron | Botans | Bourg-sous-Châtelet | Bourogne | Brebotte | Bretagne | Buc | Charmois | Châtenois-les-Forges | Chaux | Chavanatte | Chavannes-les-Grands | Chèvremont | Courcelles | Courtelevant | Cravanche | Croix | Cunelières | Danjoutin | Delle | Denney | Dorans | Eguenigue | Éloie | Essert | Étueffont | Évette-Salbert | Faverois | Fêche-l’Église | Felon | Florimont | Fontaine | Fontenelle | Foussemagne | Frais | Froidefontaine | Giromagny | Grandvillars | Grosmagny | Grosne | Joncherey | Lachapelle-sous-Chaux | Lachapelle-sous-Rougemont | Lacollonge | Lagrange | Lamadeleine-Val-des-Anges | Larivière | Lebetain | Lepuix | Lepuix-Neuf | Leval | Menoncourt | Meroux | Méziré | Montbouton | Montreux-Château | Morvillars | Moval | Novillard | Offemont | Pérouse | Petit-Croix | Petitefontaine | Petitmagny | Phaffans | Réchésy | Recouvrance | Reppe | Riervescemont | Romagny-sous-Rougemont | Roppe | Rougegoutte | Rougemont-le-Château | Saint-Dizier-l’Évêque | Saint-Germain-le-Châtelet | Sermamagny | Sevenans | Suarce | Thiancourt | Trévenans | Urcerey | Valdoie | Vauthiermont | Vellescot | Vescemont | Vétrigne | Vézelois | Villars-le-Sec

Neuer Ringelstein

Blick von Westen auf den langgezogenen Bergsporn oberhalb des Saargrundes mit der Burgruine „Neuer Ringelstein“, im Hintergrund ragt der Berg Kissel auf.
Die Neue Ringelstein ist eine abgegangene spätmittelalterliche Befestigungsanlage (Hangburg) auf 390 m ü. NN am Ostrand des Rehberges über dem Saargrund im Thüringer Wald bei Waldfisch und Ruhla.

Schon im 12. Jahrhundert befanden sich nahe der Nürnberger Straße und dem Sallmannshäuser Rennsteig zwei Burganlagen im Wald – der Alter Ringelstein unterhalb vom Jagdhaus Kissel und der Neue Ringelstein in der Gemarkung Waldfisch. Fern der benachbarten Dörfer dienten diese Burgen vorrangig als Straßenposten und Zollstationen. Über mehrere Jahrhunderte verlief südlich von Etterwinden die Grenze zwischen den späteren Herzogtümern Sachsen-Eisenach und Sachsen-Meiningen. Nach älteren Überlieferungen entstand die Burg als eine Anlage der Grafen von Frankenstein. Die Burganlage gehörte im 14. Jahrhundert zu den Raubnestern, die mit Unterstützung der Stadt Erfurt durch ein militärisches Aufgebot des Königs eingenommen und zerstört wurde.
In die Sagenwelt Thüringens fand der Alte Ringelstein als Raubschloss Eingang (Sage vom Brautborn). Die beiden Burgstellen sind heute als Bodendenkmal ausgewiesen.
Die Burg befindet sich über dem Saargrund und besaß nach örtlicher Überlieferung im Tal ein Vorwerk als Wirtschaftshof. Die Hauptburg war auf drei Seiten durch Steilhänge und einen Ringgraben geschützt. Der Hauptzugang erfolgte über eine Zugbrücke im Schutz des Bergfriedes. Die vor der Zugbrücke liegende Vorburg besaß eine Mühle, die auch nach der Zerstörung der Burg weiter in Betrieb war. Zum Antrieb der Mühle war ein etwa 100 x 60 bzw. 30 Meter großes, trapetzförmiges Becken auf der Hochfläche des flachen Bergsporns errichtet worden. Dieser Teich schützte die Burg auf der Feldseite zum Berghang. Direkt an der Vorburg wurde die auf der Südseite des Burgberges aufsteigende Handelsstraße (Hohlwegbüschel noch erkennbar) an der Schildmauer der Burg vorbeigeleitet und über eine etwa 20 Meter lange Holzbrücke zum benachbarten Berghang geleitet. Der Brückenübergang war zugleich Kontrollposten und Zollstation. Im Belagerungsfall konnte die Brücke von der Burgbesatzung zerstört werden und das dort etwa 15 Meter tiefe Kerbtal verhinderte das ungehinderte Eindringen in das Burggelände von Norden. Auf der Südwestseite sind mehrere Unebenheiten als Standort der Wohngebäude erkennbar. Reste der Ringmauer und das Fundament vom Torturm wurden schon in der DDR-Zeit von „Schatzgräbern“ freigelegt. Im Zentrum der Anlage stand ein weiterer Turm als Bergfried.

Plauenscher Grund

Der Plauensche Grund ist eine Landschaftseinheit in Sachsen und stellt einen besonders engen Abschnitt des Kerbtals der Weißeritz dar. Der Plauensche Grund bricht in den Elbtalkessel und verbindet diesen wie sonst nur noch der Lockwitzgrund mit einer ausgeprägten Talweitung im Erzgebirgsvorland. In der Vergangenheit stand die Bezeichnung Plauenscher Grund auch für das Döhlener Becken, in dem sich heute die Stadt Freital ausbreitet.

Er beginnt in Potschappel, einem Stadtteil von Freital, und erstreckt sich bis Plauen in Dresden, wonach der Grund benannt ist. Der Plauensche Grund ist etwa drei Kilometer lang und stellt, da er nur wenige Kilometer von der Dresdner Altstadt entfernt ist, einen wichtigen Frischluftkorridor für Dresden dar. An engen Stellen ist das Tal an der Sohle kaum 60 Meter breit.
Aufgrund der Enge im Tal und des starken Gefälles entfaltet die Weißeritz bei Hochwasser enorme Kräfte und wirkt stark auf ihre Ufer. Beim Hochwasser 2002 wurde zum Beispiel die Eisenbahnstrecke auf fast gesamter Länge zerstört, der Damm teilweise komplett weggespült.
Geologisch interessant ist das Naturdenkmal Hoher Stein oberhalb der ehemaligen Felsenkellerbrauerei und der gegenüberliegende heute stillgelegte Ratssteinbruch. Bei letzterem ist eindrucksvoll die Schichtung kalkhaltigen Gesteins Pläner über dem Meißner Monzonit sichtbar. Möglicherweise ist das Wort Pläner vom Namen des heutigen Dresdner Ortsteils Plauen abgeleitet.
Die im Ratssteinbruch um 1924 entdeckten Blasenhöhlen (im Sächsischen Höhlenkataster der Höhlenforschergruppe Dresden unter Nr. 4948 EG-14 geführt) waren bis zu ihrer Sprengung mit Rauchquarzkristallen ausgekleidet. Dokumente und Belegstücke werden von der genannten Forschungsgruppe verwahrt.
Vor- und frühgeschichtlich von Bedeutung ist ein 70 Meter hoher Bergsporn an der Südwestflanke des Tales, bekannt unter dem Namen Heidenschanze. Schon vor Jahrhunderten existierten im Tal einige Mühlen, von denen die Bienertmühle (Hofmühle Plauen), die Mühle am Dresdner Felsenkeller (mit der gleichnamigen Brauerei) und die Weizenmühle mit ihrem Speicherturm die bekanntesten sind. Auch weitere Fabriken und eine Pulvermühle waren im Tal ansässig.
Im Zusammenhang mit dem Bau einer Fahrstraße durch den Plauenschen Grund wurde auch die älteste noch erhaltene Brücke Dresdens, die Hegereiterbrücke, errichtet. Diese ehemalige Straßenbrücke führt in Höhe Felsenkeller/Alter Plauener Bahnhof/Wehr zum ehemaligen Bienertmühlgraben über die Weißeritz. Sie entstand 1779 bis 1782 als steinerne (Baumaterial Pirnaer Sandstein) dreibogige Brücke, ist 40 Meter lang und verursachte Baukosten von 18.616 Talern. 1921 wurde sie als Straßenbrücke außer Betrieb genommen, diente bis 1968 noch als Zufahrt zum Forsthaus und wurde vor wenigen Jahren als Teil des „Bienert-Wanderweges“ im Rahmen des „Stadtteilentwicklungs-Projektes Weißeritz“ wieder genutzt und hat alle Hochwasser der Weißeritz (einschließlich 2002) überstanden.
Im Tal verläuft die als Albertbahn im Jahre 1855 errichtete heutige Ferneisenbahnstrecke Dresden–Nürnberg. Entlang der nahezu parallel verlaufenden Straße verlief von 1902 bis 1974 die Strecke der Plauenschen Grundbahn, einer Dresdner Überlandstraßenbahn. An der engsten Stelle ist 1993 für die Staatsstraße der Straßentunnel Ingrid unter Patenschaft von Ingrid Biedenkopf errichtet worden. Im Tal befinden sich heute nur wenige Wohngebäude.
Die Bundesautobahn 17 überquert das Tal in halber Höhe in der Tunnel-Brücken-Tunnel-Kombination des Dölzschener Tunnels, der Weißeritztalbrücke und des Coschützer Tunnels. Die Brücke über das Tal ist 220 Meter lang. Die Tunnel wurden zur Lärmvermeidung errichtet und um eine noch höhere Brückenkonstruktion zu vermeiden. Auf den Flanken des Plauenschen Grunds liegen die Dresdner Stadtteile Dölzschen und Coschütz.
Besonders attraktiv war das enge Tal auch für in Dresden aktive Künstler der Romantik wie Caspar David Friedrich, die die urtypische und natürliche Schroffheit der Talhänge faszinierte. Bis zur Zeit der Romantik war das Tal noch schwer passierbar. Kurfürst August der Starke feierte im „Plauenschen Grunde“ anlässlich der Hochzeit seines Sohnes am 26. September 1719 ein riesiges Saturnfest. Die schroffen Felswände machen das Tal heute auch für Kletterer attraktiv. Es existieren unterhalb der Begerburg zwei Klettersteige und ein Klettergarten.
51.02242777777813.690452777778Koordinaten: 51° 1′ 21″ N, 13° 41′ 26″ O

Misr

Das arabische Wort Misr (arabisch مصر, DMG miṣr) hat mehrere Bedeutungen. Zum einen ist es der arabische Eigenname für Ägypten und seine Hauptstadt Kairo (beziehungsweise vor dessen Gründung Fustāt), zum anderen sind mit diesem Begriff die Lagerstädte bezeichnet worden, die die Araber während der frühen islamischen Expansion außerhalb der arabischen Halbinsel gründeten, sowie, im späteren Sprachgebrauch, alle größeren Städte in den von den Muslimen eroberten Ländern.

Die arabische Bezeichnung Misr für Ägypten geht nach der islamischen Überlieferung auf einen Sohn bzw. Enkel von Ham zurück, der eine entscheidende Rolle bei der Neubesiedlung Ägyptens nach der Sintflut spielte. Er entspricht damit dem biblischen Mizraim, der nach Genesis 10:6 ein Sohn Hams war und Ägypten seinen hebräischen Namen gab. In den meisten arabischen Berichten über das alte Ägypten ist allerdings Misr nicht der Sohn Hams, sondern sein Enkel durch seinen Sohn Baisar. Dieser Baisar wird im biblischen Bericht nicht erwähnt.
Nach dem Bericht von Ibn ʿAbd al-Hakam war Baisar derjenige, der sich als erster nach der Sintflut in Ägypten niederließ. Dabei spielte sein ältester Sohn Misr jedoch eine wichtige Rolle, denn er führte seinen Vater und dessen andere Söhne in das Land. Die Familie ließ sich zunächst in Memphis nieder. Nach Baisars Tod trat Misr dessen Nachfolge als Herrscher von Ägypten an und teilte das Land unter seinen vier Söhnen Qibt, Aschmūn, Atrīb und Sā auf. Nach Misrs Tod folgte ihm Qibt als Herrscher über Ägypten nach.
Als Bezeichnung für ein an der Grenze des eigenen Territoriums gegründetes Militärlager ist das Wort misr (der Plural lautet amsār / أمصار / amṣār) semitischen Ursprungs. So gibt es im Akkadischen das Wort miṣru, das die Bedeutung von „Grenze, Grenzmarkierung, Gebiet“ hat, und im Jüdischen Aramäisch bezeichnen die Wörter miṣr, meṣrānā ein exakt abgegrenztes Territorium.
Von seiner Funktion und Struktur her weist die Institution des Misr viele Ähnlichkeiten mit der Colonia im Römischen Reich auf. Wie sie diente der Misr als Basis für weitere Eroberungen. Arabische Militärlager dieses Typs wurden häufig in der Nähe einer älteren Stadt aus antiker oder byzantinischer Periode angelegt und hatten meistens eine rechteckige Form. Muslime hatten die Pflicht, sich in eines dieser Militärlager zu begeben und an den Eroberungszügen teilzunehmen, sonst galten sie nicht als vollwertige Muslime.
Viele Amsār blieben keine einfachen Militärlager, sondern entwickelten sich zu vollwertigen urbanen und administrativen Zentren. Eine derartige Entwicklung nahmen insbesondere die beiden im Irak gegründeten Militärlager Kufa und Basra, die als „die beiden Misrs“ (al-miṣrān) schlechthin galten, aber auch Fustāt und Qairawān in Nordafrika.
Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde der Begriff misr im Arabischen zur allgemeinen Bezeichnung für große Städte mit einer überregionalen Bedeutung. Mit dem Zusatz al-ǧāmiʿ („allumfassend“) erhielt der Begriff auch eine terminologische Funktion im islamischen Recht. Die Hanafiten meinten, dass das Freitagsgebet nur in einer solchen Stadt Gültigkeit erlange, die die Kriterien eines miṣr ǧāmiʿ erfülle. Hierbei wurden die Kriterien für einen solchen miṣr ǧāmiʿ sehr unterschiedlich angegeben. Der ägyptische Gelehrte az-Zailaʿī (st. 1342) definierte diese Kategorie von Orten, wie folgt: „Es ist ein Ort, in dem es alle Arten von Handwerker gibt, an dem es alle Dinge gibt, die die Menschen zum Leben brauchen, und wo es einen Rechtsgelehrten, einen Mufti und einen Qādī gibt, der die Hadd-Strafen verhängt.“

Wallerdorf (Rain)

48.6236411.00357479Koordinaten: 48° 37′ 25″ N, 11° 0′ 13″ O
Wallerdorf ist ein Ortsteil der Stadt Rain im Landkreis Donau-Ries, der zum Regierungsbezirk Schwaben in Bayern gehört. Zur Gemarkung Wallerdorf gehören noch das Dorf Hagenheim und die Einöde Agathenzell.

Wallerdorf liegt 12 km südöstlich von Rain auf der Hochfläche des Unteren Lechrains der Aindlinger Terrassentreppe. Naturräumlich gehört es also zur Donau-Iller-Lech-Platte, die wiederum Teil des Alpenvorlandes ist, eine der Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands.
Der Ort liegt an der Kreisstraße DON 30 von Rain (Lech) über Bayerdilling bis zur Landkreisgrenze zum Landkreis Aichach-Friedberg, wo diese als Kreisstraße AIC 27 in Kühnhausen in die nach Pöttmes führende Staatsstraße ST 2047 mündet. Hagenheim liegt knapp südwestlich, Agathenzell nordöstlich von Wallerdorf.
Die Nachbarorte von Wallerdorf und Hagenheim sind die Holzheimer Ortsteile Bergendorf, Todtenheim und Pessenburgheim im Westen, Strauppen und Wächtering im Nordwesten und Norden, der Ehekirchener Ortsteil Haselbach im Osten und der Pöttmeser Ortsteil Reicherstein im Südosten. Westlich von Wallerdorf, direkt nach Agathenzell, liegt das gemeindefreie Staatsforstgebiet Esterholz.
Der Name bedeutet so viel wie „Dorf des Waldo“. Erstmals wird Wallerdorf 1147 erwähnt: In einer Urkunde des Klosters Indersdorf wird ein „Conradus de Walderdorff“ als Zeuge in einer Besitzübergabe genannt. Als Ort wird Wallerdorf erstmals im Wittelsbacher Herzogsurbar von 1280 unter Amt Rain erwähnt. Danach besaßen sowohl die bayerischen Wittelsbacher-Herzöge als auch die Judmann aus Rohrenfels Besitztümer und Zehente in Wallerdorf. Einen der herzöglichen Höfe schenkte Ludwig der Bayer 1322 dem Kloster Niederschönenfeld, das 1330 auch den Judmann-Zehent kaufte. 1580 besaßen sowohl das Kloster Niederschönenfeld, das Kloster Bergen (ab 1616 Jesuitenseminar Neuburg) als auch die Deutschordenskommende Blumenthal Besitztümer. 1800 besaßen auch die Adelsgeschlechter der Hörwarth auf Aiterberg, Grafen von Berchem und Sandizell Höfe in Wallerdorf.
Die Kuratie Wallerdorf mit der Kirche Sankt Nikolaus gehört zur Pfarrgemeinde Holzheim. Chor und Turm der Kirche stammen aus dem Jahre 1500, das Kirchenschiff von 1872.
Bis zum 1. Juli 1972 gehörte Wallerdorf als selbstständige Gemeinde zum Landkreis Neuburg an der Donau und fiel dann mit der Gebietsreform in Bayern an den Landkreis Donau-Ries, der bis zum 1. Mai 1973 die Bezeichnung Landkreis Nördlingen-Donauwörth trug. Am 1. Januar 1975 wurde der Ort in die Stadt Rain eingegliedert.
Bayerdilling | Etting mit Brunnen, Kopfmühle und Tödting | Gempfing mit Schlagmühle und Überacker | Mittelstetten mit Neuhof | Oberpeiching mit Sägmühle | Rain | Sallach | Staudheim | Unterpeiching | Wächtering mit Hausen, Holzmühle, Nördling und Strauppen | Wallerdorf mit Agathenzell und Hagenheim

Naujaat

Naujaat (ᓇᐅᔮᑦ, „Ort, wo Möwen nisten“), bis 2. Juli 2015 Repulse Bay,, ist eine in der Repulse Bay an der Nordwestecke der Hudson Bay am Stiel der Melville-Halbinsel gelegene Siedlung mit 945 Einwohnern zum Stand Volkszählung 2011, davon 95 % Inuit.
Die Gegend um Repulse Bay ist seit Jahrhunderten Inuit-Siedlungsgebiet, wovon viele Inuksuit (Mehrzahl von Inuksuk, „wie ein Mensch“) Zeugnis geben. Es sind Wegzeichen, an denen sich die zwischen Repulse Bay und Iglulik oder Kugaaruk Reisenden orientierten.
Christopher Middleton erreichte 1742 als erster Europäer die Bucht. Ab 1860 kamen regelmäßig Walfänger hierher, bis der Walfang 1914 ein Ende fand. Die Hudson’s Bay Company errichtete 1919 einen permanenten Handelsposten, da hier der Handel mit Fuchsfellen bis in die 1950er Jahre blühte. In den 1930er Jahren erschienen die ersten römisch-katholischen und anglikanischen Missionare. Schon in den 1940er Jahren begannen die Inuit von Repulse Bay mit dem Gestalten von Stein- und Walross-Elfenbein-Skulpturen.
Erreichbar ist Repulse Bay mit regionalen Fluglinien ab Rankin Inlet.

Fitz-John Winthrop

Fitz-John Winthrop (* 14. März 1638 in Ipswich, Massachusetts; † 27. November 1707 in Boston, Massachusetts) war der Gouverneur der Colony of Connecticut zwischen 1698 und 1707.
Fitz-John Winthrop, Sohn von John Winthrop III. und dessen zweiter Ehefrau Elizabeth (Reade) Winthrop, wurde am 14. März 1638 in Ipswich, Massachusetts geboren. Allerdings ist Boston als sein Geburtsort verzeichnet, da Ipswich (damals Agawam) gerade erst 1633 in Massachusetts gegründet wurde.
Fitz-John Winthrop hatte mehrere Schwestern und einen Bruder mit dem Namen Wait Still Winthrop. Sein Großvater, John Winthrop, Sr., war Gouverneur der Massachusetts Bay Colony. Fitz-Johns Vater, John Winthrop, Jr., war ein talentierter und bekannter Physiker, der in Connecticut General Assembly tätig war, sowie das Amt des Gouverneurs der Colony of Connecticut achtzehn Jahre lang innehatte und zwar 1657, sowie zwischen 1659 und 1676. John Winthrop, Jr. war ein erfolgreicher Geschäftsmann, so dass seine Förderung und Ratschläge stark nachgefragt waren. Allerdings war er bedingt durch seine Arbeit oftmals von zu Hause weg, manchmal sogar für längere Zeiträume. Die häufigen Wechsel im beruflichen Werdegang und Projekten hatten zur Folge, dass seine Familie mehrere Male in Fitz-Johns Jugend umziehen musste, von Ipswich nach Boston und von dort nach London. Im Herbst 1646, als Fitz-John acht Jahre alt war, ließ sich seine Familie bei Winthrops Neck am Thames River im New London-Gebiet nieder.
Bedingt durch die Umzüge und die Abwesenheit des Vaters wurde die Erziehung der Jungs etwas vernachlässigt. Das Haus bei Winthrops Neck lag im Zentrum von mehreren Farmen, die alle ihrem Vater gehörten. Der Schwerpunkt von Fitz-John lag nicht im Studieren, sondern auf den Farmen, er verbrachte sehr viel Zeit im Freien, eine Vorliebe, die ihn sein ganzes restliches Leben erhalten blieb. Es war 1653, als er, erst sechzehn Jahre alt, mit seinem Bruder, Wait Still, für eineinhalb Jahre in die Fitch’s School for Boys in Hartford geschickt wurde. Es ist noch zu erwähnen, dass er ein durchschnittlicher Student war. Anschließend wurden die Jungs nach Cambridge, Massachusetts geschickt, wo Wait Still eine Privatschule für Jungs besuchte und Fitz-John die Prüfungen für die Zulassung an die Harvard University ablegte. Fitz-John bestand sie nicht, da ihn sein Bildungsmangel hinderte. Ein Cousin, der ein Scholar war, wurde für ein Jahr als Tutor angeheuert, aber dieser wurde krank und verstarb.
Fitz-John blieb einige Zeit in Boston bei Verwandten. Er zeigte kein besonderes Interesse mehr Harvard zu besuchen, da er sich ohnehin nur hauptsächlich dort bewarb, um seinen Vater zu gefallen. Bevorzugte Tätigkeiten und der Aufenthalt im Freien waren der Grund, als 1658 die Loyalisten in England Soldaten brauchten, um den König zu helfen seinen Thron von Cromwell wieder zurückzuerobern, das Fitz-John dies als eine Chance ansah. Aufgrund der familiären Beziehungen wurde er zum Lieutenant in Richard Cromwells Armee, wobei er schlussendlich in den Dienstrang eines Captains aufstieg. Die Armee zog von Südschottland aus nach London herunter und half König Charles II. 1660 auf seinen Thron. Fitz-Johns Einheit wurde aufgelöst, aber er verblieb in England, um andere Verwandte zu besuchten.
Fitz-John war noch in England, als sein Vater 1661 nach London kam, um die Charter-Urkunde für Connecticut zu erhalten, die den Zusammenschluss der New Haven Colony mit der Colony of Connecticut zur Folge hatte. Im April 1663 kehrten beide nach New London zurück, wo sich Fitz-John entschied in der kolonialen Politik zu beteiligen. Er war zuerst als Richter tätig und im Oktober 1664 als einer von Connecticuts Grenzkommissaren, die die Streitigkeiten bezüglich der Landansprüche entlang der New York-Connecticut-Grenze lösen sollten. Eine Folge ihrer Arbeit war, dass Long Island, früher ein Teil von Connecticut, New York zugesprochen wurde.
Fitz-John setzte seine Arbeit als Teil von Connecticuts Regierung fort und wurde 1671 als einer von New Londons Obleuten an den General Court of the Colony of Connecticut gewählt. Er war in seiner Arbeit in der Legislative recht gut, aber bevorzugte militärische Feldzüge gegenüber der Schaffung von Gesetzen. 1672 wurde er das Oberhaupt der New London County Miliz. Im nachfolgenden Jahr, 1673, wurde er zum Sergeant-Major von Long-Island befördert und half mit die Holländer von dem Gebiet zu vertreiben.
Gelehrte sagten, dass von John Winthrops, Jr. Söhnen, Wait Still ihm am nächsten kam. Fitz-John hatte viele Qualitäten seines Vaters, war jedoch ein Frischluftfanatiker, ein Soldat und vor allem sein eigener Herr. Er lebte zu einer Zeit, wo noch Kirche und Staat nicht getrennt waren, und wo genaue Überwachung des öffentlichen und privaten Lebens herrschte. Dennoch konnte er als Sohn einer wohlhabenden und einflussreichen Familie die Sittenkonventionen missachten, was üblicherweise verschiedene Strafen durch Kirche oder staatliche Autoritäten einher brachte. Dies ist auch vielleicht der Grund, warum er nicht von Amts wegen bestraft wurde, als er 1677 mit Elizabeth Tongue die Ehe einging. Sie war die Tochter der wohlhabenden New London Gastwirten, George und Margery Tongue, und fünfzehn Jahre jünger als er. Das Ehepaar hatte eine gemeinsame Tochter mit dem Namen Mary. Elizabeth, die später notarielle Urkunden und Briefe ab 1698 als Elizabeth Tonque unterzeichnete, verstarb am 25. April 1731.
Obwohl die Leute gewöhnlich Fitz-John als jemanden mit einer heiteren Persönlichkeit und viel gesundenen Menschenverstand ansahen, war er geringfügig ausschweifend und konnte zumal einen Groll gegen die halten, die gegen ihn waren. Die letzte Haltung verschaffte ihn zu minder Probleme bei seinen vielen Geschäftsunternehmungen. Er hatte auch gesundheitliche Probleme, ihn plagte sein ganzes Leben eine unbekannte Krankheit für die er eine Allzweckarznei einnahm, die sein Vater erschuf, der ein Mediziner war.
König Charles II. von England, der auf seinen Thron zurückgekehrt war, wollte Neuengland unter einen einzigen Gouverneur zentralisieren und die unterschiedlichen Gouverneuren der einzelnen Kolonien beseitigen. Um 1686 hatte er die Dominion of New England mit einem einzigen Gouverneur erschaffen, der damals Sir Edmund Andros hieß, und sein Sitz in Boston hatte. Andros regierte mit einem Rat aus 27 Mitglieder aus den verschiedenen Kolonien. Das einzige Ratsmitglied aus Connecticut war Fitz-John Winthrop, ein großer Befürworter des königlichen Plans und ein Freund von Andros.
Die Dominion of New England Regierung war nicht sehr beliebt. Als diese aber 1689 wieder gestürzt wurde, befand sich Fitz-John in New Londond und anscheinend hatte seine Mitwirkung in dieser keine Auswirkungen auf seine weitere Popularität. Er wurde nämlich 1690 als Assistent in den nächsten General Court gewählt. Seine persönliche Eigenart zeigte sich einmal mehr in diesem Amt, als er keine Treffen mehr besuchte, die in Hartford abgehalten wurden. Bei der nächsten Wahl wurde er nicht noch einmal wiedergewählt. Dennoch führte er in der Colony of Connecticut seinen Dienst weiter und befehligte seine Truppen bei einer Invasion auf Kanada. Dem Feldzug gehörten Männern aus New York, Connecticut und Massachusetts an und er hatte den Zweck die französische Unterstützung bei den Indianerüberfällen auf diese Kolonien zu beenden. Fitz-John marschierte nach Norden entlang des Hudson Rivers, aber da die Truppen nur begrenzt Nahrungsmittel und Beförderungsmittel erhielten, war er zum Rückzug gezwungen. Gouverneur Leisler aus New York, der neidisch auf Winthrop war, nahm den Rückzug als Vorwand, um ihn des Landesverrats (engl. treason) anzuklagen. Leisler inhaftierte Fitz-John und stellte ihn vor ein Militärgericht (engl. court-martial) in Albany, doch eine große Gruppe von befreundeten Mohawks befreiten ihn. Daraufhin kehrte Fitz-John nach Connecticut zurück, wo er seinen Namen wieder reinwaschen konnte und den Dank des General Assembly erhielt. Im nachfolgenden Frühling kam ein neuer königlicher Gouverneur nach New York, der Leisler wegen Hochverrats anklagte, überführte und hinrichten ließ.
Während des Feldzugs nach Kanada von 1690 braute sich eine andere politische Krise zusammen. Die Besiedelung von Connecticut hatte ohne eine Charter-Urkunde der Krone begonnen. New York und Massachusetts, beide von Anbeginn gechartert, versuchten oftmals in das Territorium einzudringen. Durch die Charter-Urkunde von 1662, die durch Fitz-Johns Vater, John Winthrop Junior, bersorgt wurde, keimte kurz Hoffnung auf, dass Connecticut vor den Übergriffen Seitens Massachusetts oder New York geschützt würde, aber die beiden Kolonien gaben ihre Ansprüche bezüglich Connecticuts Land nicht auf. Mit der Argumentation, dass die Schaffung einer zentralen Regierung von Dominion of New England Connecticuts Charter für ungültig gemacht hatte, versuchten Massachusetts und New York das Connecticut Territorium zu annektieren.
Massachusetts und New York Beamte hatten Freunde beim Hof und im August 1692 erreichte der neue Gouverneur von New York, Benjamin Fletcher, dass ihm die Macht verliehen wurde die militärischen Truppen von New York und Connecticut zu kommandieren. Robert Treat war damals Gouverneur der Colony of Connecticut und verweigerte strikt die Übergabe seines Kommandos über Connecticuts Truppen. Treat und Connecticuts General Assembly wendeten sich an Fitz-John Winthrop wegen seiner diplomatische Fähigkeiten, sowie Beziehungen am Hof. Er sollte nach England gehen und die Gültigkeit von Connecticuts Charter von 1662 des Königs William und Königin Mary für rechtens erklären zu lassen. Winthrop verließ im späten 1693 Connecticut in Richtung England und trug erst Anfang 1694 seinen Fall vor. Ein Report, der durch den königlichen Prokurist und den zweiten Kronanwalt vorbereitet, sowie durch den König und Königin ratifiziert wurde, bestätigte die Gültigkeit der Charter von 1662 von der Colony of Connecticut. Connecticut durfte sich weiter selbst regieren.
Fitz-John verblieb in England für drei weitere Jahre. Als er nach Connecticut zurückkehrte, wurden ihm fünf Hundert Pfund von einem erkenntlichen General Assembly zuerkannt. Er wurde 1698 zum Gouverneur der Colony of Connecticut gewählt und bis zu seinem Tod 1707 jährlich wiedergewählt.
Wenn auch seine bürgerliche Ehe und Gesundheitsprobleme ein wenig seine Regierungsfähigkeit beeinflussten, bewerkstelligte Fitz-John letztendlich eine Menge als Gouverneur. Die Charter von 1662 wurde während seiner zehnjährigen Amtszeit drei Mal bedroht, aber jedes Mal konnten Winthrop und der Assembly sie erfolgreich verteidigen. Winthrop löste eine Folge von Bemühungen aus Connecticuts politischen und gerichtlichen Strukturen zu reorganisieren. Die Assembly erweiterte 1698 die Amtszeit des Gouverneurs zwischen zwei legislativen Perioden und wurde 1699 in zwei Kammern unterteilt. Die zwölf Assistenten des General Court wurde eine Kammer, das Oberhaus (engl. Upper House), und die gewählten Deputierten der Städte eine andere Kammer, das Unterhaus (engl. Lower House). Gegner bemängelten zunächst diese Änderung, da niemand sicher war, welches House über welche Kernpunkte die Amtsbefugnis hatte. Daraufhin wurden Korrekturen vorgenommen, so dass diese Houses Connecticuts erster Schritt in Richtung einer modernen Legislative mit einem Senat und einem Abgeordnetenhaus waren.
Winthrop überlegte 1702 als Gouverneur zurückzutreten, als ihn benachbarte Gouverneure anklagten, nicht genug Soldaten für einen Krieg gegen Frankreich zu liefern. Connecticuts Wähler lehnten seinen Rücktritt ab und er blieb. Während einer Reise nach Boston, um seinen wieder verheirateten Bruder Wait Still zu sehen und der Vermählung dessen Sohnes beizuwohnen, wurde Fitz-John krank. Er verstarb am 27. November 1707 und wurde in der Nähe seines Vaters und seines Großvaters auf den King’s Chapel Burying Ground in Boston, Massachusetts beigesetzt.
Colony of Connecticut ohne das Gebiet der Colony of New Haven (1639–1662): Haynes | Hopkins | Haynes | Wyllys | Haynes | Hopkins | Haynes | Hopkins | Haynes | Hopkins | Haynes | Hopkins | Haynes | Hopkins | Haynes | Hopkins | Welles | Webster | J. Winthrop | Welles | J. Winthrop
Colony of Connecticut (1662–1776): J. Winthrop | Leete | Treat | Andros | Treat | F. Winthrop | Saltonstall | Talcott | Law | Wolcott | Fitch | Pitkin | Trumbull

Kathleen Ferrier

Kathleen Ferrier (* 22. April 1912 in Higher Walton, einem Dorf in der Nähe von Preston, Lancashire, England; † 8. Oktober 1953 in London) war eine englische Altistin. Der Schwerpunkt ihres Repertoires lag im Lied- und Oratoriengesang.

Kathleen Ferrier bekam bereits in frühen Jahren neben ihrer Schulausbildung Klavierunterricht. Wegen Geldmangels musste sie allerdings mit vierzehn die Schule verlassen. Ihre Klavierausbildung konnte sie jedoch an der Royal Academy of Music abschließen. Die nächsten vierzehn Jahre arbeitete sie im Telefondienst bei der Post. Nebenbei sang sie in vielen Chören, nahm erfolgreich an verschiedenen Klavierwettbewerben teil, erwarb mit achtzehn Jahren eine Goldmedaille und 1931 das Lehrdiplom.
1935 heiratete sie den Bankdirektor Bert Wilson und zog mit ihm nach Carlisle. Ihre Ehe wurde 1947 geschieden. 1937 nahm Ferrier am Carlisle Festival als Pianistin und als Sängerin teil. Hier gewann sie den ersten Preis als beste Sängerin des Festivals. Es war gleichzeitig der Wendepunkt für ihre musikalische Karriere. Zwei Jahre später wurde ihre erste Rundfunkaufnahme produziert. 1941 sang Ferrier für das Council for the Encouragement of Music and the Arts. Sie tourte quer durch Großbritannien, um während der Kriegsjahre Musik zu den Menschen in Fabriken und Dörfern zu bringen. Der Dirigent Malcolm Sargent sagte ihr eine große Zukunft voraus und empfahl ihr professionellen Unterricht. 1942 ging Kathleen Ferrier mit Hilfe ihrer Schwester nach London, um bei Roy Henderson ihre Stimme weiter zu schulen.
1948 trat Ferrier mit großem Erfolg zum ersten Mal in New York auf. Es folgten Tourneen durch Amerika, Kanada, Holland und Skandinavien. 1951 unterzog sie sich einer Operation, in der ein Tumor in der Brust entfernt wurde. Der Eingriff schien erfolgreich und sie kehrte bald danach in ihr Konzertleben mit vielen Tourneen im In- und Ausland zurück. Mit dem damals hoch gefeierten Dirigenten Bruno Walter verband sie eine tiefe Freundschaft. Durch die Zusammenarbeit mit ihm, die 1947 anlässlich einer gemeinsamen Aufführung von Gustav Mahlers Lied von der Erde auf dem Edinburgh International Festival begann, brachte sie Mahlers Werk einem größeren Publikum zur Kenntnis. Trotz einer weiteren Operation verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zustand immer mehr. 1953 starb sie in ihrem zweiundvierzigsten Lebensjahr an Brustkrebs.
In ihrer kurzen Karriere sang sie unter den berühmtesten Dirigenten ihrer Zeit, darunter John Barbirolli, Eduard van Beinum, Benjamin Britten, Herbert von Karajan, Clemens Krauss oder Malcolm Sargent und oft auch gemeinsam mit Kollegen wie Isobel Baillie oder Peter Pears. Benjamin Britten schrieb seine zweite Oper The Rape of Lucretia für Kathleen Ferrier, die in ihr die Hauptrolle singen sollte. Zu ihrem Repertoire gehörten Lieder von Mahler, Brahms, Schubert und Schumann genauso wie die Oratorien von Händel und Elgar. Trotz seiner Kürze war Kathleen Ferriers Leben nicht tragisch. In den zehn Jahren ihres Ruhms erreichte sie mehr als andere Sänger in ihrem ganzen Leben. Bruno Walter soll gesagt haben, dass seine größten Privilegien in seinem Leben die Bekanntschaft und die Zusammenarbeit mit Kathleen Ferrier und Gustav Mahler waren.
Die ersten Aufnahmen mit Kathleen Ferrier wurden 1944 in London für EMI in den Abbey Road Studios gemacht. Diese Aufnahmen waren als Tests gedacht und nicht für den Verkauf bestimmt. Es sollte weitere 35 Jahre dauern, bis sie als Schallplatte in den Handel kamen. Drei weitere Aufnahmesessions für EMI folgten, unter anderem mit Musik von Händel, Greene, Purcell und Mendelssohn. 1946 wechselte Ferrier zu Decca. Hier entstanden ihre wichtigsten Projekte, wie Pergolesis Stabat mater, Bachs Matthäus-Passion, Glucks Orfeo ed Euridice, sowie eine Auswahl von britischen Liedern. Zu ihren größten Erfolgen gehören die Aufnahmen von Mahlers Symphonie Das Lied von der Erde mit Bruno Walter 1952. Außer ihren Schallplattenaufnahmen sind viele Rundfunkmitschnitte erhalten geblieben. Einige davon wurden Jahre später als Schallplatte herausgebracht.

VLF Brandenburg

Der Verband für Landentwicklung und Flurneuordnung Brandenburg (VLF Brandenburg) entstand gemäß §26 a ff FlurbG am 11. April 2000 durch den freiwilligen Zusammenschluss von 16 Teilnehmergemeinschaften. Der VLF Brandenburg ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Laut §18 FlurbG nimmt die Teilnehmergemeinschaft (TG), zu der die beteiligten Grundstückseigentümer und Erbbauberechtigten zusammengeschlossen werden, die gemeinschaftlichen Angelegenheiten eines Verfahrens wahr. Dabei hat sie insbesondere die gemeinschaftlichen Anlagen herzustellen und zu unterhalten. Darüber hinaus ist sie für die Leistung und Forderung der im Verfahren festgesetzten Zahlungen verantwortlich. Die Teilnehmergemeinschaft ist somit weitgehend Trägerin des Verfahrens, da sie letztlich alle nicht der Flurbereinigungsbehörde obliegenden Aufgaben zu erfüllen hat.
Damit diese sehr komplexen Aufgaben effizient, schnell und kostengünstig umgesetzt werden können, sieht § 26 a FlurbG die Bildung von Verbänden der Teilnehmergemeinschaften vor.
Während die Aufgaben der einzelnen Teilnehmergemeinschaften durch ehrenamtlich tätige Vorstandsmitglieder erledigt werden, steht dem Verband fachkundiges Personal zur Verfügung, das die Beschlüsse der einzelnen Teilnehmergemeinschaften vollzieht. Der überwiegende Verwaltungsaufwand, für den die TG zuständig ist, wird auf den Verband übertragen. Der VLF ist als Dachverband immer Dienstleister für seine Mitglieder. Beschlussfassungen der Mitgliedsteilnehmergemeinschaften wie z.B. über den Zeitpunkt und die Höhe der Erhebung von Geldforderungen oder die Vergabe der Bauleistungen bleiben wie bisher in der Verantwortung des TG-Vorstandes. Am ehesten lässt sich das Modell, das dem VLF zugrunde liegt, mit einer Amtsgemeinde vergleichen: die TG-Vorstände sind die jeweiligen Gemeindevertretungen, der VLF die Amtsverwaltung.
Die Mitgliederversammlung ist das höchste Organ des VLF Brandenburg. Sie besteht aus den Mitgliedern, d. h. den dem vlf beigetretenen Teilnehmergemeinschaften. Die Mitglieder werden durch ihre Vorstandsvorsitzenden oder im Falle seiner Verhinderung durch seinen Stellvertreter oder, falls auch dieser verhindert ist, durch ein anderes bevollmächtigtes Vorstandsmitglied vertreten.
Die Gemeinschaft der Mitglieder des VLF Brandenburg wird nach außen durch den Vorstand vertreten. Der Vorstand besteht aus der Vorstandsvorsitzenden und den weiteren gewählten Vorstandsmitgliedern. Wählbar ist nur ein Vorstandsmitglied einer Teilnehmergemeinschaft. Der Vorstand besteht aus sechs Mitgliedern, deren sechs Stellvertreter an den Vorstandssitzungen mit beratender Stimme teilnehmen können.
Die Geschäftsstelle wird geleitet vom Geschäftsführer Markus Klaer. Dieser unterstützt den Verbandsvorsitzenden und den Vorstand in ihren Aufgaben. Der Geschäftsführer sorgt für den Vollzug der Beschlüsse der Verbandsorgane. Er erledigt die laufenden Geschäfte in eigener Zuständigkeit. An den Sitzungen der Verbandsorgane nimmt der Geschäftsführer beratend ohne Stimmrecht teil. Der Geschäftsführer ist Dienstvorgesetzter aller Beschäftigten des Verbandes. Der Verband gliedert sich in drei Regionen. Der vlf Brandenburg hat neben der Geschäftsstelle in Potsdam fünf weitere Niederlassungen in Kyritz, Angermünde, Fürstenwalde, Calau und Schlieben.
TG Alt Tucheband, TG Dolgelin, TG Birkholz, TG Beeskow-Ost, TG Friedland, TG Groß Neuendorf/Ortwig, TG Jahnsfelde, TG Reitwein/Rathstock/Podelzig, TG Wriezen-Bad Freienwalde, TG Sachsendorf-Seelow Ost, TG Reichenwalde, TG Östlicher Schwielochsee,
TG Dedelow-Uckerniederung, TG Biesenbrow, TG Brodowin, TG Casekow, TG Damme/Falkenwalde A20, TG Dorfentwicklungsverfahren Falkenwalde, TG Groß Pinnow, TG Hohenselchow, TG Neulewin, TG Randow-Bruch, TG Schönfeld, TG Schönermark, TG Storkow, TG Unteres Odertal, TG Vierraden, TG Passow
TG Baruth, TG Breiter Graben, TG Burg, TG Cottbus-Nord, TG Greifenhain, TG Gräbendorf, TG Görlsdorf, TG Hammergraben, TG Jänschwalde, TG Kasel-Golzig, TG Klein Schluzendorf, TG Kleinleipisch, TG Kostebrau, TG Kölsa, TG Lauchhammer, TG OU Luckau, TG Meuro, TG Oberer Landgraben, TG Priorgraben, TG Seenkette, TG Seese-Ost, TG Seese-West, TG Schlabendorf Süd, TG Schlabendorf / Zinnitz, TG Schraden I, TG Schwarzheide, TG Spreebogen, TG Spreewald I, TG Welzow-Süd, TG Wiederau, TG Willmersdorf / Maust, TG Wittmannsdorf,
TG Bensdorf, TG Bochow, TG Bornim, TG Dahme, TG Dahnsdorf, TG Damsdorf, TG Dippmannsdorf, TG Drewitzer Nuthewiesen, TG Glindow, TG Große Grabenniederung, TG Jerchel, TG Kloster Zinna, TG Krahne, TG Neuholland, TG Riebenersee-Nieplitz Niederung, TG Schmergow, TG Strodehne, TG Tietzow, TG Oehna, TG Warchau/Gollwitz, TG Wusterwitz,
TG Betzin, TG Freyenstein, TG Groß Lüben, TG Halenbeck, TG Kietz, TG Kuhblank, TG Lenzen/Elbtalaue, TG Lentzke, TG Lichtenberg/Karwe, TG Meyenburg, TG Mödlich, TG Pirow, TG Pirow-Land, TG Ribbeck/Zabelsdorf, TG Stüdenitz, TG Tarmow,