Intellektueller

Als Intellektueller wird ein Mensch bezeichnet, der wissenschaftlich, künstlerisch, religiös, literarisch oder journalistisch tätig ist, dort ausgewiesene Kompetenzen erworben hat und in öffentlichen Auseinandersetzungen kritisch oder affirmativ Position bezieht. Dabei ist er nicht notwendig an einen bestimmten politischen

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, ideologischen oder moralischen Standort gebunden.

Der Bedeutungsinhalt des Begriffs Intellektueller wechselte im Laufe der historischen Entwicklung, eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs gab es nie. Wichtige Definitionsversuche unternahmen Karl Mannheim mit der „freischwebenden Intelligenz“ und alternativ dazu Antonio Gramsci mit dem „organischen Intellektuellen“

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Der Begriff Intellektueller wurde Georges Clemenceau durch Maurice Barrès zugeschrieben. Zwar kennzeichnet Clemenceau 1898 in einem Artikel die prominenten Unterstützer von Alfred Dreyfus, darunter Émile Zola, damit als Gruppe, tatsächlich aber benutzte er den Begriff nicht als Erster und auch nicht übermäßig häufig. Es kann sogar vermutet werden, dass der Begriff von den nationalistischen Gegnern der Dreyfusunterstützer als Erstes in diesem Zusammenhang gebraucht wurde

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. In der Folge erhielt jedenfalls der Begriff eine abwertende Konnotation und wurde für Personen verwendet, die der eigenen Nation illoyal gegenüberstehen.

Gramsci prägte den Begriff „organischer Intellektueller“ für Menschen, die die Ideen einer bestimmten Klasse vertreten und reartikulieren.

„Am 14. und 15. Januar 1898 wurden [in Frankreich] zwei Listen veröffentlicht, in denen Wissenschaftler, gehobene Beamte, aber vor allem Künstler und Literaten gegen die begangenen Rechtsbrüche im Fall Dreyfus protestierten. Bis zum 4. Februar 1898 kamen etwa 2000 Personen zusammen (veröffentlicht in L’Aurore und Siècle auf etwa 40 Listen), die nicht wegen ihrer Zahl, aber wegen der Qualität der Unterschriften für Aufregung sorgten. Clemenceau nahm am 23. Januar 1898 einen bereits seit den 1870er benutzten Begriff auf, den er schließlich unter ‚La Protestation des intellectuels‘ am 1. Februar 1898 in der Zeitung Le Journal veröffentlichte. Darin wird ein für die Gesellschaft negatives Bestreben jener Gruppe beklagt, eine Elite bilden zu wollen.“

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Ausdruck ebenfalls als abwertender Kampfbegriff für Vertreter des ideologisch abgelehnten „Intellektualismus“ gebraucht, um jüdische oder politisch unerwünschte Personen zu diskreditieren und/oder anzuprangern (siehe auch NS-Propaganda).

Der Intellektuelle analysiert, hinterfragt und kritisiert laut Sartre in öffentlichen Auseinandersetzungen und Diskursen gesellschaftliche Vorgänge, um deren Entwicklung zu beeinflussen. Dabei ist der Intellektuelle nicht an einen politischen oder moralischen Standort gebunden. Dies führt häufig zu Konflikten mit Politikern, Regierungen bzw. Machthabern.

In Bezug zu den Regierungen ihres jeweiligen Landes reicht ihre Haltung von offener Unterstützung der gerade anstehenden Reformen bis zu offener Ablehnung. Intellektuelle sind dabei zugleich Produzenten und Kritiker der Ideologie.

Sofern ihre eigenen Ideen mit denen der herrschenden Klasse übereinstimmen, können sie für diese sehr effektive Unterstützer sein; wo es an Übereinstimmung fehlt, können sie vom Staatswesen verfolgt und zu Dissidenten werden. Die erfolgreichen Dissidenten werden zum Teil wieder in ein Staatssystem eingebunden, wo sie für dieses nützlich sind. So sind Intellektuelle für Machthaber zugleich unbequeme wie effektive Mittel in der innovativen Fortentwicklung der Gesellschaft. Der französische Philosoph Julien Benda (1867–1956) betonte bereits 1927 in seinem berühmten Essay Der Verrat der Intellektuellen die Neigung vieler Intellektueller, zu Erfüllungsgehilfen gesellschaftlicher Interessen und Ideologien zu werden.

Intellektuelle entwickeln untereinander informelle Beziehungen, die über die üblichen Lebensmittelpunkte von Arbeit und Familie hinausgehen. Intellektuelle Machthelfer im Staatsdienst sind so oft besser informiert als ihre behördlichen oder politischen Mitstreiter (und haben so deren Respekt, auch wenn sie wegen ihrer Kontakte zu politischen Gegnern misstrauisch beäugt werden). Unabhängig davon sind auch intellektuelle Gegner oft besser informiert über gesellschaftliche Probleme als die durchschnittliche Bevölkerung, selbst wenn das vorliegende Staatssystem die Pressefreiheit stark beschränkt hat. Diese innere Kenntnis staatlicher Details macht sie auch häufig zum Ziel der Nachrichtendienste anderer Staaten.

Die Lebhaftigkeit, Schnelle, Meinungsfreude und Verklatschtheit haupt- und großstädtischer Intellektuellenkreise führte oft zur Feindseligkeit gegen ihre Subkultur. Diese verband sich in Deutschland und Österreich nach dem Ersten Weltkrieg auch mit antijüdischen Ressentiments.

Bernhard von Mutius (* 1949) (Herausgeber des Buchs Die andere Intelligenz, 2004) äußerte die These, es bilde sich ein neuer Typ des Intellektuellen heraus, der als Wissensarbeiter (egal ob fest angestellt oder freiberuflich) in diversen Organisationszusammenhängen mit komplexen Entwicklungsprojekten betraut ist – Projekte, die wissenschaftliche und technische Innovationsvorhaben ebenso wie soziale und kulturelle Veränderungs- und Lernprozesse umfassen. Er nennt ihn den „konstruktiven Intellektuellen“. Hierbei wird erwartet, die Wirklichkeit als einen – gemeinsam mit anderen zu konstruierenden und veränderbaren – Möglichkeitsraum zu begreifen und aus der Analyse daraus handhabbare Vorschläge zu generieren. Neben der organisatorischen Anbindung als Beratergruppe innerhalb größerer Institutionen gibt es auch die Ausgründung als formal selbständige Denkfabrik.

Als die Intelligenz (wohl aus dem Russischen; siehe Intelligenzija) bezeichnet man zusammenfassend soziale Gruppen in einer Gesellschaft, in der sich Intellektuelle zu Gruppen formieren. Teils sind damit Abgrenzungen und Privilegien verbunden.

Einzelne Gruppen bzw. Kategorisierungen sind: