Museo Franz Mayer

Das Museo Franz Mayer ist ein Kunstmuseum im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt. Es wurde 1986 in einem alten Gebäude errichtet, das zuvor über vier Jahrhunderte lang als Hospital genutzt worden war. Das Museum beherbergt die Sammlung des Kunstsammlers Franz Mayer, die einen Schwerpunkt auf Kunsthandwerk und Objekte aus Mexiko aufweist. Die Sammlung umfasst neben dem Kunsthandwerk auch Gemälde, Textilien und Bücher.

Franz Mayer sammelte zeit seines Lebens Kunsthandwerk wie Keramik, Möbel, Silberarbeiten und Textilien aus Asien, Europa und vor allem aus Mexiko. Daneben sammelte er Gemälde und Bücher. 1963 richtete er den Fonds Franz Mayer Cultural Trusteeship ein, der von der Banco de México verwaltet wird. Nach seinem Tod im Jahr 1975 begannen die Bestrebungen, ein eigenes Museum einzurichten. 1981 übergab das Ministerium für Stadtentwicklung und öffentliche Bauvorhaben das Gebäude an der Plaza de la Santa Veracruz an die Stiftung Franz Mayers. Im selben Jahr begannen die Restaurierung und die Anpassung des Gebäudes an die Erfordernisse eines Museums. Am 15. Juli 1986 wurde das Museo Franz Mayer eröffnet. Zur Eröffnung waren die Arbeiten noch nicht abgeschlossen. So gab es noch keinen Museumsshop, keine Cafeteria und Bibliothek. 1988 wurden die letzten Bauarbeiten am Museo Franz Mayer abgeschlossen. Für die Unterbringung der Personalbüros und für neue Magazinräume wurde 1998 ein angrenzendes Gebäude gekauft. Bis 2020 soll das Museum modernisiert werden, um die Ausstellungsräume auf den neuesten Stand zu bringen.
Das Museo Franz Mayer befindet sich in einem Gebäude, dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Es wurde ursprünglich als Lager für Mehl genutzt. 1582 errichtete in ihm Pedro López, der erste Arzt, der die Real y Pontificia Universidad de México absolvierte, ein Hospital, das sich vor allem an unterprivilegierte Gruppen der Gesellschaft richtete. Nach dem Tod von López 1597 übernahm dessen Sohn die Leitung des Hospitals, das mit Unterstützung der Dominikaner betrieben wurde. Im folgenden Jahr reiste einer der Dominikaner nach Spanien und erreichte dort 1599, dass König Philipp III. begann die Einrichtung finanziell zu unterstützen. 1604 zog der Orden der barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott in das Gebäude ein und betrieb das Hospital als erste Einrichtung zur Krankenfürsorge des Ordens in Amerika. Im Jahr 1620 begannen große Umbaumaßnahmen, die zur Errichtung einer Kirche, eines Konvents und Hospitals führten. 1650 wurde der Altar geweiht, 1673 die Baumaßnahmen abgeschlossen. Am 10. März 1766 wurde das Hospital bei einem Brand teilweise zerstört, am 8. März 1800 geschah selbiges durch ein Erdbeben.
Infolge der Beschlüsse der Cortes von Cádiz wurden die Orden unterdrückt und 1821 gaben die Brüder des heiligen Johannes von Gott das Hospital auf. 1826 wurden die letzten Kranken in andere Hospitäler verlegt. Von 1830 bis 1834 wurde das Gebäude als Schule genutzt, in der Folge wechselte die Nutzung. Während der französischen Intervention in Mexiko wurde das Gebäude abermals als Hospital genutzt. Diesmal richtete es sich an Prostituierte. Ab 1875 wurde es öffentlich geführt und erhielt den Namen Morelos Hospital. Ab 1914 wurde es als Frauen- und Kinderhospital genutzt. Der Gebäudekomplex wurde 1937 zum nationalen Kulturerbe erklärt und während der Olympischen Sommerspiele 1968 infolge eines Funktionswandels als Ausstellungsraum genutzt. Es behielt seine Funktion als Zentrum für Kunsthandwerk. 1981 wurde es der Museumsstiftung übergeben.
Die Sammlung des Museo Franz Mayer umfasst über 11.000 Kunstwerke und 10.000 Bücher. Ihr Fokus liegt auf dem Kunsthandwerk vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. So sind Silberarbeiten, Keramik, Textilien, Möbel, Federkunst, Elfenbeinarbeiten, Glaskunst, Schildpatt- und Emailarbeiten in der Dauerausstellung zu sehen. Daneben umfasst die Sammlung Skulpturen und Gemälde.
Zur Sammlung des Museo Franz Mayer gehören rund 1300 Silberarbeiten seit dem 15. Jahrhundert, womit es eine der wichtigsten Sammlungen dieser Art in Mexiko ist. Die Objekte repräsentieren die verschiedenen Entwicklungen und Ausführungen dieser Kunstwerke. Eine Vielzahl von ihnen sind Objekte, die in der katholischen Liturgie genutzt wurden, wie etwa Kruzifixe, Tabernakel, Kerzenhalter und Kelche. Daneben sind im Museum auch Werke ziviler Silberobjekte zu sehen wie Teller, Schalen und Besteck. Besondere Stücke sind etwa kleine, goldene, mit Edelsteinen besetzte Zigarettenetuis. Die Keramikabteilung umfasst rund 1600 Objekte und 10.000 Fliesen, die nicht offiziell zur Zahl der Sammlungsobjekte hinzugerechnet werden. Chinesisches Porzellan ist etwa mit Flaschen, Vasen, Tellern und Tassen vertreten. Zur Sammlung gehören auch Teller und Tassen, die mit Logos der British East India Company aus dem späten 18. Jahrhundert. Eine weitaus größere Zahl keramischer Objekte stammt aber aus Mexiko, von denen wiederum viele in Puebla gefertigt worden sind. Zu ihnen gehören etwa Teller, Schalen, Krüge, Trinkgefäße und Vasen. Die meisten Teller und Schalen zeigen ornamentale oder religiöse Motive, während auch einige Teller, aber vor allem Vasen am chinesischen Porzellan orientierte Bemalungen zeigen. Textilien sind etwa mit Stickereien von Mariendarstellungen in der Sammlung vertreten. Sie umfasst aber auch etwa mit floralen Elementen bestickte Umhänge und auch Messgewänder. Von den Federkunstarbeiten im Museo Franz Mayer ist vor allem eine Rosenkranzmadonna herausragend.
Prozessionskreuz.
Zigarettenetuis.
Vase mit an chinesisches Porzellan erinnernder Bemalung, Puebla, 19. Jahrhundert.
Messgewand.
Das Museo Franz Mayer besitzt über 700 Möbelstücke, die vor allem aus Mexiko und Spanien stammen. Die Sammlung umfasst Stühle und Schränke in verschiedenen Ausführungen, sowie Schreibtische, Kommoden und Truhen. Sie decken die Zeitspanne von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ab. Besondere Stücke sind etwa eine Tür aus dem Mexiko des 18. Jahrhunderts mit Holzeinlagen als Schmuck und eine Präsentationsplattform für eine religiöse Skulptur aus dem gleichen Zeitraum.
Schreibtisch, Spanien, 17. Jahrhundert.
Apotheneinrichtung.
Tür, Mexiko, 18. Jahrhundert.
Im Museo Franz Mayer werden sowohl mexikanische als auch europäische Gemälde ausgestellt, so dass die verschiedenen Einflüsse und Bezugspunkte für den Besucher nachvollziehbar werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der spanischen Malerei vom 14. Jahrhundert bis in die Moderne. In der Sammlung vertreten sind etwa Jusepe de Ribera, Francisco de Zurbarán und Ignacio Zuloaga. Daneben sind Gemälde italienischer Maler wie Lorenzo Lotto oder deutscher wie Bartholomäus Bruyn der Ältere zu sehen. Ebenso umfasst die Sammlung flämische und niederländische Werke. Die mexikanische Malerei ist etwa mit den religiösen Gemälden des 17. Jahrhunderts vertreten. So etwa durch Juan Correas Jungfrau von Balvenara und Juan Tinocos Die Pflege des Heiligen Cajetan. Besondere Stücke der Sammlung sind die Biombos, die durch einen aus dem späten 17. Jahrhundert, der die Eroberung Mexikos zeigt, und einem aus dem späten 18. Jahrhundert, auf dem eine pastorale Szene dargestellt ist, repräsentiert werden. Die Moderne Kunst ist etwa mit einem Landschaftsgemälde von José María Velasco und El Paseo de los melancólicos, einem Frühwerk von Diego Rivera. Die Skulpturensammlung des Museo Franz Mayer umfasst eine Marien mit Kind von der Mitte des 16. Jahrhunderts an. Daneben sind weitere religiöse Skulpturen wie etwa eine Darstellung des Erzengel Michaels aus dem 16./17. Jahrhunderts, eine trauernde Maria aus dem gleichen Zeitraum oder eine thronende Heilige Anna aus dem 17. Jahrhundert zu sehen. Ein herausragendes Stück ist zudem die große Reiterskulptur des Heiligen James.
Francisco de Zurbarán, La partida de San Pedro Nicolaso de Barcelona Spanien, 17. Jahrhundert.
Biombo Die Eroberung Mexikos, Mexiko, Ende 17. Jahrhundert.
Reiterfigur des Heiligen James.
In der Bibliothek werden viele alte und seltene Bücher aufbewahrt. In ihr befinden sich über 800 verschiedene Ausgaben des Buches Don Quijote de la Mancha. Daneben befinden sich in der Bibliothek wertvolle Chorbücher aus dem 18. Jahrhundert.
19.437278-99.143313Koordinaten: 19° 26′ 14,2″ N, 99° 8′ 35,9″ W

Hogan

Der Hogan (Navajo hooghan, [hoːɣan]) ist das traditionelle Wohnhaus der Diné.
Die ursprüngliche Form war ein kuppelförmiger runder Bau. Das Gerüst bildeten aufrecht in den Boden gesetzte Baumstämme, die mit Lehm oder Erde gedeckt wurden. Es kam überwiegend das Holz der Piñon Pine (Pinus edulis) zum Einsatz, einer bis 10 m hoch werdenden Kiefernart der Halbwüsten.
Heute sind die Hogans meist sechs- oder achteckig und haben einen Durchmesser von rund 8 Metern. Der Eingang zeigt immer nach Osten, damit die Bewohner die aufgehende Sonne und damit den neuen Tag begrüßen können. Nach traditioneller Bauweise werden sie noch immer aus Baumstämmen errichtet, die sich an den Ecken überkreuzen. Die Fugen der Seitenwände werden mit Lehm ausgefüllt, das Dach mit einer dicken Erdschicht gedeckt. Mittlerweile werden auch Stein und Zement als Baumaterial verwendet, aber die Grundform und die Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen werden immer beibehalten.
Hogans sind jedoch nicht nur Wohnstatt und Raum für zeremonielles Geschehen, sie gelten auch als heiliger Ort. Insbesondere, wenn jemand in einem Hogan verstorben ist. Der Verstorbene darf nicht durch den Eingang hinausgebracht werden. Entweder wird dafür auf der Nordseite ein Loch in die Wand gebrochen oder der Verstorbene bleibt im Hogan, der dann zur Grabstätte wird. Dann wird der Eingang verschlossen und es wird niemand ihn jemals wieder betreten.

Robert Bartholow

Robert Bartholow oder Roberts Bartholow (* 28. November 1831; † 1904) war ein amerikanischer Arzt aus New Windsor, Maryland.
Bartholow erlangte seinen Abschluss in Medizin an der Universität Maryland im Jahre 1852. Von 1855 bis 1864 arbeitete er als Chirurg in der US-Armee. In den Jahren 1864 bis 1879 war er Professor am Medical College von Ohio. Anschließend wurde er Professor am Jefferson Medical College in Philadelphia.
Bekannt wurde Bartholow durch die Anwendung von elektrischem Strom auf die Dura mater einer Patientin. Im Jahre 1874 präsentierte Bartholow die 30-jährige Mary Rafferty, die ein im Durchmesser zwei Zoll großes Loch in ihrem Schädel hatte, dass durch ein krebsartiges Geschwür verursacht wurde. Durch Tierversuche von David Ferrier inspiriert, wendete Bartholow kleine elektrische Ströme auf verschiedene Bereiche von Raffertys Kopf an und bemerkte Bewegungen an verschiedenen Stellen des Körpers. Der elektrische Strom schien zudem keinerlei Schmerz bei der Patientin zu verursachen. Als Bartholow jedoch größere Stromstöße auf die Patientin anwendete, fiel diese ins Koma. Aus diesem Koma erwachte Rafferty zwar, erlitt jedoch am Folgetag einen epileptischen Anfall und verstarb.
Die American Medical Association kritisierte Bartholow für dieses Experiment. Seine berufliche Arbeit wurde dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. 1893 wurde er am Jefferson College emeritiert.

Dennis Chambers

Dennis Chambers (* 9. Mai 1959) ist ein amerikanischer Schlagzeuger, der zusammen mit John Scofield, Steely Dan, Santana, Mike Stern, den Brecker Brothers, Gonzalo Rubalcaba, Parliament/Funkadelic, John McLaughlin und vielen anderen spielte und Platten produzierte. Obwohl er nie eine formelle Ausbildung erhielt, wurde Chambers ein weltbekannter Jazz-/Fusion-Schlagzeuger und ist bekannt für seine exakte, kraftvolle Technik.
Bereits mit vier Jahren begann Chambers Schlagzeug zu spielen, und schon mit sechs trat er in der Gegend von Baltimore in Nachtclubs auf. Nach seinen eigenen Angaben übte er auf Kopfkissen, die erst ab einer gewissen Schlagkraft „klingen“, sowie auf einem seitenverkehrt aufgebauten Drum-Set, was ihn nun besonders flexibel macht. 1978 kam er zu George Clintons P-Funk-Band Parliament/Funkadelic und spielte mit ihnen bis 1985. Seither spielte er mit fast allen Größen der Fusion-Musik. Erwähnenswert ist vor allem die enge jahrelange Zusammenarbeit mit John McLaughlin, der ihn in einem Interview als seinen „brother in arms“ bezeichnete.
Zu Chambers‘ eigener Gruppe Niacin gehört der Bassist Billy Sheehan.

Turbina corymbosa

Turbina corymbosa
Turbina corymbosa (Synonym: Rivea corymbosa (L.) Hallier f.) ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Windengewächse und dient als rituelle Droge sowie Heilpflanze. Die Droge Ololiuqui aus den Samen der Pflanze enthält die psychoaktiven Wirkstoffe Lysergsäureamid (LSA) und Lysergsäurehydroxyethylamid (LSH) sowie weitere Alkaloide.

Turbina corymbosa ist eine Kletterpflanze, deren Stängel an der Basis verholzen, an den Spitzen jedoch krautig sind. Die Pflanze ist unbehaart oder verkahlend. Die meist unbehaarten oder nur selten fein behaarten Laubblätter sind herzförmig-eiförmig, werden 4 bis 10 cm lang und sind nach vorn spitz oder kurz zugespitzt.
Die Blüten stehen in achselständigen oder endständigen Thyrsen. Die Kelchblätter sind langgestreckt und etwa 8 bis 12 mm lang und unbehaart. Die weiße, 2,5 bis 3 cm lange Krone weist im inneren, unteren Teil der Kronröhre einen dunkelbraunen bis violetten Bereich auf. Die Blütezeit reicht im ursprünglichen Verbreitungsgebiet von Februar bis März.
Die Frucht besitzt keinen Aufspringmechanismus, sie ist eiförmig-langgestreckt, 1 bis 1,5 cm lang und enthält einen, selten zwei Samen.
Das Verbreitungsgebiet von Turbina corymbosa umfasst Mexiko bis Panama, die Westindischen Inseln, den Süden Floridas und Teile Südamerikas. Auf den Philippinen wurde die Art in ausgewilderter Form entdeckt.
Turbina corymbosa war als rituelle, aber auch medizinische Pflanze schon bei den Azteken bekannt. Die Samen wurden Ololiuqui (zu Deutsch ungefähr: „rundes Ding“) genannt. Daher leitet sich auch der deutsche Name Ololiuquiranke ab. Eine der frühesten Dokumentationen über den Gebrauch wurde im Jahr 1629 von Hernando Ruiz de Alcaron (1581–1639), einem spanischen Missionar, unter dem Titel „Traktat über die heidnischen Aberglauben, die heute zwischen den Indianischen Eingeborenen Neu-Spaniens lebendig sind“ verfasst. Anfangs des letzten Jahrhunderts wurde lange Zeit angenommen, dass der Ololiuquigebrauch ausgestorben war. Es ist nun aber klar, dass es immer noch mittelamerikanische Völker wie beispielsweise die Zapoteken, Mixteken, Mazateken oder Mixe gibt, welche Ololiuqui zu rituellen Zwecken verwenden.2 Der berühmte Ethnobotaniker Richard Evans Schultes (1925–2001) vermochte die Identität der Pflanze in den vierziger Jahren zu bestimmen. Im Jahr 1941 wurde die Monografie „A Contribution to Our Knowledge of Rivea corymbosa: The Narcotic Ololiuqui of the Aztecs“ veröffentlicht, welche einen sehr guten Überblick über alle botanischen, ethnologischen aber auch historischen Aspekte der Ololiuquiranke verschafft. Die Wirkstoffe wurden einige Jahre später von Albert Hofmann (1905–2008), dem Entdecker des LSDs (Lysergsäurediethylamid), identifiziert. Gefunden hatte er, unter anderem, Lysergsäureamid (LSA), welches als Mutterkornalkaloid nahe verwandt ist mit LSD.
Zur Anwendung werden meist die Samen genutzt, seltener auch die Blätter oder Wurzeln. Auch der Honig ist psychoaktiv und wurde vor allem bei den Mayas zur Herstellung eines Ritualgetränks (balché) verwendet. Das Vertreiben von bösen Geistern, Totenbeschwörung und Wahrsagung sind Beispiele der rituellen Verwendung der Ololiuquiranke. Auch heute noch sollen die Mixe damit Hexen von Häusern fernhalten.
Medizinisch kann Turbina corymbosa zur Behandlung von Wunden, Quetschungen und Tumoren verwendet werden. Auch eine diuretische (harntreibende) Wirkung wird beschrieben.
Der Hauptwirkstoff der frischen Samen ist das Alkaloid Lysergsäureamid, welches vor allem als LSA oder Ergin bekannt ist. Die Blätter und Stängel hingegen enthalten Indolalkaloide, welche aber auch eine psychoaktive Wirkung entfalten können.
Traditionellerweise werden 15 bis 22 zerriebene Samen in eine halbe Tasse Wasser gegeben. Diese Dosierung erzielte bei Versuchen mit westlichen Personen jedoch keine Wirkung, so wird die Dosierung deutlich höher angegeben. Allerdings wird ab 300 Samen an aufwärts meist nur noch von schlechten Nebenwirkungen wie Erbrechen und Durchfall berichtet. Zudem sollte immer beachtet werden, dass Turbina croymbosa als stark giftig klassifiziert ist.
Die Wirkung setzt sehr rasch ein und führt zu leichten Halluzinationen, die mit Schwindelzuständen abwechseln. Danach folgen Mattigkeit, Euphorie und schließlich Schläfrigkeit. Dieser hypnotische Zustand ist nicht zu vergleichen mit einem LSD-Rausch, die Wirkung lässt sich eher als „[…] eine Art Trance oder Dämmerschlaf mit Traumbildern“ (Rätsch 1998) beschreiben.
In Deutschland unterliegt Turbina corymbosa nicht dem BtMG.

Wiener Kunstfilm-Industrie

Die Wiener Kunstfilm-Industrie war die erste bedeutende österreichische Filmproduktionsgesellschaft. Sie ging aus der 1910 gegründeten Ersten österreichischen Kinofilms-Industrie hervor und leistete Pionierarbeit in fast sämtlichen Bereichen des österreichischen Stummfilms. Als Gründer fungierte der Fotograf Anton Kolm, dessen Frau und Tochter eines Panoptikum-Besitzers, Luise Kolm sowie Jakob Fleck.
Die Gründung der Wiener Kunstfilm, respektive ihres Vorgängers, fiel in eine Zeit, in der der österreichisch-ungarische Film- und Kinomarkt fast komplett von französischen Gesellschaften beherrscht wurde. Um gegen diese finanzstarken Unternehmen internationalen Ausmaßes bestehen zu können, konnte die Wiener Kunstfilm in ihrer Funktion als erste österreichische Filmproduktionsgesellschaft auf die Unterstützung patriotischer Medien und Kinobesitzer zählen.
Das Unternehmen zeichnete für die erste österreichische Wochenschau und den ersten österreichischen Spielfilm verantwortlich. Da es die ersten Jahre fast unentwegt Großereignisse aufnahm, kommt der Produktionsgesellschaft auch große Bedeutung als Chronist der letzten prunkvollen Jahre der Donaumonarchie zu.

Im Jänner 1910 gründen Anton Kolm, Luise Kolm und Jakob Fleck die Erste österreichische Kinofilms-Industrie in der Währinger Straße 15 im neunten Wiener Gemeindebezirk Alsergrund. Mit dem kurzen Dokumentarfilm Der Faschingszug in Ober-St. Veit machte das Jungunternehmen erstmals auf sich aufmerksam. Die Aufnahmen, die am 6. Februar 1910 entstanden, waren am 8. Februar erstmals in den Wiener Kinos zu sehen. Wenig später, am 14. März, wurde das Begräbnis von Bürgermeister Karl Lueger gefilmt. Der Bericht fand reißenden Absatz und wurde in 22 Wiener Kinos gezeigt. Der österreichische Komet – eine von damals zwei österreichischen Filmzeitschriften – kommentierte dies in seiner Ausgabe vom 24. März mit „Also endlich einmal ein Wiener Film, der seinen Weg durch die Welt nehmen wird.“ Ebenfalls bereits 1910 entstand die erste Werbeproduktion im weiteren Sinne: Da Damenhüte zu dieser Zeit sehr beliebt waren, in Kinos jedoch für schlechte Sicht in den hinteren Reihen sorgten, produzierte Anton Kolm Der Hut im Kino, um diesem Problem Abhilfe zu verschaffen. Das von Patriotismus geprägte, enorm positive Medienecho über erste Filmproduktionen aus österreichischer Hand sicherten der Unternehmung den Absatz und machte zugleich Investoren aufmerksam. Um neue Kapitalgeber aufnehmen zu können, war eine Änderung der Rechtsform notwendig. Die Filmproduktionsgesellschaft wurde zur GesmbH.
Ab 16. Dezember 1910 lautet die neue Bezeichnung des Unternehmens Österreichisch-Ungarische Kinoindustrie GmbH. Neue Kapitalgeber sorgten für eine Grundkapitalausstattung von 310.000 Kronen. Am 27. Februar 1911 wird in der Neubaugasse 33 in Wien-Neubau ein Filmverleih eröffnet. Neben den Eigenproduktionen werden dort auch ausgewählte ausländische Produktionen für die Wiener Kinobesitzer angeboten. Von Beginn an orientierte man sich vor allem am französischen Markt, der zu dieser Zeit den film d’art hervorbrachte.
Die ersten Ankündigungen ihrer Filme in Fachzeitschriften fielen noch sehr klein aus, während sich französische Konzerne bis zu zwei Seiten leisteten. Die Konkurrenz durch ausländische Unternehmen, die den Markt nach wie vor beherrschten, war groß. Die Kolms und Jacob Fleck reagierten darauf, indem sie von Beginn an so viel wie möglich filmten, um den Wiener Kinos aktuelle Berichte aus Wien liefern zu können. Darunter Ereignisse wie den Stapellauf des k.u.k.-Kriegsmarine-Schlachtschiffs SMS Zrinyi im Hafen von Triest und die Flugwoche am Flugfeld Wiener Neustadt – damals einer der größten Flughäfen der Welt in der jungen Luftfahrtsgeschichte. Dort erhielten sie sogar die bisher nur französischen Filmern erteilte Erlaubnis den Kaiser zu filmen, der dem Film bekanntlich positiv gegenüberstand, erkannte er doch rasch den Propagandawert dieses Mediums. Auch die beliebte Wiener Badeinsel Gänsehäufel und der Wiener Prater, sowie Skiveranstaltungen, der Semmering im Winter, die Plitwitzer Seen, Brandkatastrophen, Städtebilder von Krakau, Mariazell, Prag wurden verfilmt und in die Wiener Kinos gebracht. Mit „Typen und Szenen aus dem Wiener Volksleben“ erschien 1911 auch ein Dokumentarfilm mit Volkssängern und anderen Wiener „Originalen“.
Am 29. Juli 1911 filmte die Wiener Kunstfilm-Industrie die „Brandkatastrophe Wien-Nordbahnhof“ für die Kinos, und als zynische Reaktion auf den vom französischen Modeschöpfer Paul Poiret 1910 kreierten „Humpelrock“, mit dem man kaum gehen konnte, und deren Trägerinnen häufig Spott ausgesetzt waren, erfolgte der Spielfilm Martha mit dem Hosenrock – zu welchem der Humpelrock verkommen war.
Nach französischem Vorbild führte Anton Kolm auch in Österreich den komischen Kurzfilm ein. Mit dem Berliner Schauspieler Oskar Sabo hatte er seinen Hauptdarsteller in der Produktion aus 1910, Die böse Schwiegermutter, gefunden. 1911 filmte Kolm die Volkssänger und 1912 Karl Blasel als Zahnarzt mit gleichnamigem Hauptdarsteller, der bereits seit rund einem Jahrzehnt ein beliebter Wiener Komiker war.
Das 1910 erschienene Drama „Die Ahnfrau“, nach Franz Grillparzer, war nicht nur der erste durch zeitgenössische Aufzeichnungen belegte österreichische Spielfilm, sondern stellte auch das Regiedebüt von Jakob Fleck dar. Mit der Verfilmung dieses Volksstückes schlug die erste österreichische Spielfilmgesellschaft einen Weg ein, der bereits von Frankreich aus vorgegeben war, in Österreich jedoch abermals Pionierleistung war. Da das Publikum um 1907/1908 von den wenig fantasievollen Kurzfilmen allmählich genug hatte, und erstmals Kinobesuchszahlen zurückgingen, reagierten französische Produzenten mit der Verfilmung von zeitgenössischer Literatur. Diese Bewegung, die Kinofilmen mehr Tiefe und Inhalt verlieh, nannte sich Film d’Art und fand mit der Wiener Kunstfilm-Industrie, wie sich das Unternehmen ab 1911 passenderweise nannte, auch in Österreich einen Nachahmer. Diese „Kunstfilme“ waren in der Regel Volksstücke bzw. (Sozial-)Dramen aus dem einfachen Volk. So erschienen 1911 gleich mehrere Filme dieser Art: Der Dorftrottel, Die Glückspuppe, Mutter – Tragödie eines Fabriksmädels und Nur ein armer Knecht. Vor allem Werke Ludwig Anzengrubers wurden gerne und häufig verfilmt – zwischen 1914 und 1919 zehn Mal. Einige Werke wurden sogar zwei Mal verfilmt.
Im Jahr 1910 produzierte die Österreichisch-Ungarische Kinoindustrie und ihr Vorgänger, die Erste österreichische Kinofilms-Industrie, insgesamt vier Spielfilme und 14 Dokumentarfilme – in für die damalige Zeit üblicher Länge von jeweils rund 10 Minuten. Der älteste, heute noch erhaltene österreichische Spielfilm, datiert ebenfalls aus dieser Zeit und stammt von der Wiener Kunstfilm. Es handelt sich hierbei um die Allerseelengeschichte Der Müller und sein Kind (1911). Der Film war zwar ein großer Erfolg und konnte als „Anlassfilm“ jedes Jahr wieder gespielt werden, doch sieht man der Produktion die enorme Budgetknappheit vielfach an. Gedreht wurde wegen des lichtunempfindlichen Kameras nur bei Sonnenlicht auf einer im Freien aufgebauten Bühne. Auch offensichtlich mangelhafte Szenen wurden jedoch nicht wiederholt sondern mangels Filmmaterial behalten – selbst wenn der Wind bei geschlossenen Türen und Fenster die Vorhänge und den Christbaum im Haus bewegt. Der letzte Film der Österreichisch-Ungarischen Kinoindustrie erschien am 12. Jänner 1912 – es war die bisher aufwändigste Produktion der Kolm-Fleck-Filmgesellschaft und hieß Trilby, basierend auf der gleichnamigen Buchvorlage.
Aufgrund von Differenzen mit Direktor Kühnel, ein großer Kapitalgeber der Österreichisch-Ungarische Kinoindustrie GmbH, der auch künstlerisch bei der Filmproduktion mitreden wollte, trat Anton Kolm im Oktober 1911 aus dem Unternehmen aus. Schon per 1. November 1911 nimmt er gemeinsam mit den ursprünglichen Gründungsmitgliedern Jakob Fleck und Luise Kolm, sowie deren Bruder Claudius Veltée, in der Neustiftgasse 1–3 in Wien-Neubau den Betrieb der Wiener Kunstfilm auf. Zwar betrug das Gründungskapital nur noch vergleichsweise bescheidene 30.000 Kronen, doch errichtete man auch Aufnahmehallen mit den neuesten Errungenschaften der Filmtechnik. Einer der Investoren in die Wiener Kunstfilm war Elias Tropp, dessen Frau Eugénie Bernay später zum Stummfilmstar wurde.
Die Filmproduktion betreffend war die wesentlichste Änderung zu früher die Umstellung von der Dokumentarfilmproduktion auf mehrheitliche Spielfilmproduktion. Da die Wiener Kunstfilm finanziell auf schwachen Beinen stand, musste bereits die erste Produktion ein Erfolg werden. Erschwert wurde dies unter anderem dadurch, dass Teile der Medien der Wiener Kunstfilm weniger positiv gesinnt waren als den vorhergehenden Gesellschaften. Besonders augenscheinlich wurde dies bei der Filmzeitschrift Der österreichische Komet, der der neuen Filmgesellschaft Antons Kolm schlagartig negativ gesinnt war. Die Ursache für die Stimmungsänderung waren die Differenzen mit den ehemaligen Investoren.
Dieses erste Filmprojekt, dass den sofortigen Erfolg bringen sollte, lautete „Der Unbekannte“ – nach dem gleichnamigen Theaterstück von Franz Grillparzer. Man schaltete Werbeinserate in Größen, wie dies bisher nur die finanzstarken französische Gesellschaften taten, und man engagierte für die Wiener Bevölkerung namhafte Wiener Schauspieler wie Eugénie Bernay, Claire Wallentin, Karl Blasel und Viktor Kutschera. Regie führte Luise Kolm. Das Rezept ging zumindest bedingt auf: Der Film, der am 15. März 1912 uraufgeführt wurde, war ein großer Erfolg und konnte auch international erfolgreich vertrieben werden. Den erhofften Durchbruch, um mit den französischen Mitbewerbern zumindest in Österreich auf einer Stufe zu stehen, brachte dies jedoch noch nicht. Nachdem die Vorgängergesellschaften der Wiener Kunstfilm bereits für den ersten Dokumentarfilm und erste Spiel- und Komikerfilme verantwortlich zeichnete, setzte die Wiener Kunstfilm die Pioniertätigkeit in der österreichischen Filmgeschichte unentwegt fort. Im November 1912, als bereits weitere österreichische Filmproduktionsgesellschaften mit der ausländischen Konkurrenz um Marktanteile in den Kinos rangen, erschien mit Das Gänsehäufel die erste richtige Dokumentation der Wiener Kunstfilm-Industrie.
Nach der Premiere der 10.000 Kronen teuren Großproduktion Der Unbekannte geriet die ohnehin tendenziell finanziell schwach ausgestattete Wiener Kunstfilm in noch größere finanzielle Schwierigkeiten, als Elias Tropp aus der Gesellschaft ausstieg, und wenig später die Vindobona-Film Felix Dörmanns mitbegründete. Dennoch setzte die Wiener Kunstfilm ihren stetigen Aufstieg unentwegt fort. 1913 erschien die umstrittene Verfilmung des „Walzerkönigs“ Johann Strauß: Johann Strauß an der schönen blauen Donau. Umstritten deshalb, da Johann Strauß noch nicht lange tot war und ihn viele noch von Konzerten kannte und so eine frühe Verfilmung unwürdig fanden. nach intensiver Recherche ist es dem Filmarchiv Austria im Frühjahr 2007 gelungen, diesen Film ausfindig zu machen. Nach umfassender Analyse und Restaurierung soll der Film auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Film war nicht zuletzt auch einer jener Versuche, den Film in Österreich gesellschaftsfähig zu machen. Unter der Regie von Karl Zeska spielten Hansi Niese – das weibliche Pendant zu Alexander Girardi und somit auch eine Antwort auf die große Sascha-Film-Produktion Der Millionenonkel über und mit Alexander Girardi – sowie Selma Kurz, Louise Kartousch, Richard Waldemar und Alfred Grünfeld – allesamt bekannte Wiener Bühnenschauspieler dieser Zeit. Die Uraufführung der von Alfred Deutsch-German und Siegfried Löwy für den Film adaptierten Strauß-Biografie fand am 20. November 1913 im Opernkino statt. Die Musik wurde von Alfred Grünwald komponiert, der bei der Uraufführung live konzertierte. Die Produktion fiel in eine Zeit, als die Sascha-Film bereits ein ernst zu nehmender Konkurrent geworden ist, und die Filmproduktion in Österreich am Umbruch von Kurz- zu Langfilm stand.
Neben der finanzstarken Sascha-Film entstanden zu jener Zeit auch weitere österreichische Filmproduktionsgesellschaften. Der Anteil französischer und anderer ausländischer Filme in österreichischen Kinos wurde immer mehr zurückgedrängt – zeitgleich drangen österreichische Produktionen immer weiter ins Ausland vor. Die Wiener Kunstfilm konnte sich dennoch als vorerst stärkster österreichischer Filmproduzent behaupten. Ab der Hochzeit von Valeni, die am 10. Oktober im Opernkino Premiere hatte, folgte zudem ein Erfolg auf den anderen. Der Pfarrer von Kirchfeld, mit Max Neufeld in einer Hauptrolle, konnten ebenfalls fantastische Besucherzahlen erreicht werden. Mit österreichischer Volks- und Heimatliteratur, die nicht nur den französischen film d’art als Vorbild hatte, sondern mit zunehmender Erfahrung auch qualitativ immer mehr diesem Genre entsprach, behauptete sich die Wiener Kunstfilm als führender Filmproduzent in Österreich.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatten die meisten aus nunmehr verfeindeten Ländern stammenden Unternehmen das Land zu verlassen. Der bis zuletzt stark von französischen Produktions- und Verleihgesellschaften geprägte österreichische Markt stand den österreichischen Produzenten nun offen. Vorerst wurde jedoch nur spärlich investiert und ausländische Filme, etwa aus Deutschland, machten weiterhin die Mehrheit der in Österreich gezeigten Filme aus. Erst ab 1915 begann der österreichische Filmmarkt sich zu entfalten – zahlreiche Konkurrenten entstanden. Der einzige Konkurrent auf Augenhöhe der Wiener Kunstfilm war jedoch die Sascha-Film, die kontinuierlich an Stärke zulegte – hatte sie doch das Familienvermögen ihres Gründers, Graf Sascha Kolowrat-Krakowsky, hinter sich.
Die erste „Schlacht“, wenn man so will, ging jedenfalls an die Wiener Kunstfilm. Schon im September 1914 brachte sie Berichte vom Kriegsgeschehen in ihrer neuen Wochenschau, dem „Kriegs-Journal“, das wöchentlich neu in den Kinos zu sehen war. Als Kameraleute waren Raimund Czerny und Heinrich Findeis an den Fronten. Auch der erste große Spielfilmerfolg der Kriegsjahre ging auf das Konto der Wiener Kunstfilm. Mit Liane Haid, die nach dieser Rolle zum ersten österreichischen Filmstar aufstieg, hatte man die perfekte Hauptrollenbesetzung für den Propagandafilm Mit Herz und Hand fürs Vaterland (1915) gefunden. Es folgten weitere Produktionen dieser Art, wie Der Traum eines österreichischen Reservisten (1915), Mit Gott für Kaiser und Reich (1916) und Im Banne der Pflicht (1917). Weiterhin sehr erfolgreich waren jedoch auch die Volksliteratur-Verfilmungen wie Der Meineidbauer (1915) und Der Schandfleck (1917). Bei allen eben erwähnten Produktionen führten jeweils Jakob Fleck und Luise Kolm Regie. Auch die bisher längste Produktion der Wiener Kunstfilm erscheint während der Kriegsjahre: Der Verschwender. Wilhelm Klitsch und Liane Haid zählen in diesem wie in vielen anderen Filmen der Wiener Kunstfilm dieser Jahre zur Hauptbesetzung. Weitere vielfach eingesetzte Schauspieler sind Hermann Benke und Karl Baumgartner. Der beim Publikum beliebte Darsteller Max Neufeld befindet sich hingegen im Kriegseinsatz.
1919 wurde die Wiener Kunstfilm-Industrie von Anton und Luise Kolm als Vita-Film neu gegründet.
Als Regisseure fungierten vor allem in den ersten Jahren fast ausschließlich die Firmengründer Anton Kolm, Luise Kolm und Jakob Fleck sowie Luise Kolms Bruder Claudius Veltée – meist als Team – selbst. Mit Marco Brociner war erstmals jemand außerhalb des Gründerteams regelmäßig als Regisseur tätig. Ab 1913 war Alfred Deutsch-German Drehbuchautor bei der Wiener Kunstfilm-Industrie.
Weitere Regisseure die zumindest unregelmäßig für die Wiener Kunstfilm tätig waren, waren Walter Friedemann, Ludwig Ganghofer, Max Neufeld und Hans Otto Löwenstein.
Das Atelier der Wiener Kunstfilm befand sich im damaligen Wiener Vorort Mauer, wie aus einer zeitgenössischen Anzeige hervorgeht. Vermutlich standen sie an derselben Stelle wie die noch heute bestehenden Rosenhügel-Filmstudios, die von der Nachfolge-Gesellschaft Vita-Film errichtet wurden.
Die Produktionen der damaligen Zeit waren allesamt ohne Ton und hatten für gewöhnlich maximale Abspiellängen von rund 20 Minuten. Dies traf natürlich auch für die Wiener Kunstfilm-Industrie zu. Manche Themen wurden auch zwei Mal produziert. Folgend eine Auswahl derer Werke – zumeist Spielfilme und Dramen – von den unzähligen Wochenschauproduktionen sei nur eine geringe Auswahl angegeben.

Heumilch

Die Lebensmittelmarke Heumilch, wie sie in Österreich verwendet wird, wird in Form eines Gütesiegels von der Agrarmarkt Austria (AMA) vergeben und ist eine garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.) in Österreich. Die ARGE Heumilch Österreich ist der Dachverband der Verbände zur Förderung der Heuwirtschaft, die ihrerseits die Produzenten organisieren. Der Standard beruht auf der Herstellung silagefreier Milch, umfasst aber auch Gentechnikfreiheit, Aspekte der biologischen Landwirtschaft und artgerechten Tierhaltung sowie Anliegen der Kulturlandschaftspflege und des Erhalts von traditionellen Arbeitsweisen und Produkten als Kulturgut. Er ist für Kuhmilch wie auch Ziegenmilch und Schafmilch definiert.

Bis in das mittlere 20. Jahrhundert war sommerliche Weide/Frischgras- und winterliche Heu­fütterung im Alpenraum die allgemein übliche Viehwirtschaftsform. Mit dem Aufkommen der logistisch viel effizienteren Silage-Wirtschaft wurde das Heumachen weitgehend aufgegeben. Die Heufütterung hielt sich hauptsächlich für die Produktion von Emmentaler als industriellem Reibkäse, weil dabei die Gefahr für Clostridien geringer war, sowie für Zulieferer vereinzelter regionaler Molkereispezialitäten. Dadurch hatte die Heuwirtschaft bis in die 1980er den Ruf einer überkommenen, aufwändigen und schlecht bezahlten Arbeitsweise. Verzichteten 1970 noch 80 Prozent der heimischen Landwirte auf Silofutter, so waren es um 2010 nur mehr 15 Prozent.
Nach dem EU-Beitritt Österreichs wurde aber seitens der Politik erkannt, dass die kleinstrukturierte österreichische Landwirtschaft im europäischen Konkurrenzkampf nur durch Qualitätsprodukte konkurrenzfähig ist, und das Österreichische Landwirtschaftsministerium der Regierung Schüssel unter Wilhelm Molterer begann ab 2000 ein umfangreiches Programm zur Ökologisierung der Landwirtschaft (Bio-Aktionsprogramme). Für regionale Produkte wurde „silofreie“ oder „hartkäsetaugliche“ Milch zunehmend wieder zu einer marktrelevanten Produktsparte. Außerdem wurde das Heumachen sowohl als Kulturgut wie auch als Maßnahme des Landschafts- und Naturschutzes erkannt (Alpenkonvention, 1991).
Ab 2009 begann eine Marketing-Offensive der Arbeitsgemeinschaft Heumilch, die der Heuwirtschaft wieder zu einem positiven Image im Kontext der Regionalisierung wie auch Ökologisierung und der Gentechnikfreiheit (Volksbegehren 1997) verhelfen sollte. Diese Kampagne stellte sich als besonders erfolgreich heraus. Mitte der 2010er werden etwa 10 % der gesamten Milch- und Milchproduktemenge in Österreich nach den Heumilch-Kriterien hergestellt.
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Im Februar 2003 gründete sich in Vorarlberg eine Arbeitsgemeinschaft Milch (ARGE Milch) unter Ägide der Landeslandwirtschaftskammer, die eine bessere Zusammenarbeit der Milchproduzenten und der für Vorarlberg wichtigen Käseproduktion fördern sollte. Im September 2003 folgte die ARGE Heumilch Tirol, Oktober 2003 schlossen sich auch in den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich Bauern und Verarbeiter in der ARGE Heumilch Salzburg–Oberösterreich zusammen. Gemeinsam mit der Obersteierischen Molkerei (ARGE Heumilch Steiermark) wurde am 14. April 2004 die gesamtösterreichische ARGE Heumilch in Innsbruck gegründet.
Damit wurde auch ein Markensiegel Heumilch registriert.
Die Organisation wurde auch vom Landwirtschaftsministerium unterstützt. Hier entsprach es der Maßnahme Extensive Grünlandbewirtschaftung im traditionellen Gebiet des ÖPUL-Programms (Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft). Die Maßnahme Verzicht auf Silage wurde auch speziell in das überarbeitete ÖPUL-Programm 2007 aufgenommen.
Im Jahr 2015 waren in der Organisation um die 8.000 Landwirte und über 60 Verarbeiter (Molkereien, Käsereien, Sennereien) vertreten.
Das Programm hat international Aufsehen erregt. Ende 2010 wurden die Marketingaktivitäten der ARGE Heumilch von der International Dairy Federation (IDF) in Auckland, Neuseeland, zur weltweit besten Milchwerbekampagne des Jahres 2010 gekürt. 2011 wurde die Kommunikation der ARGE Heumilch mit dem Staatspreis für Marketing ausgezeichnet, außerdem gewann die ARGE für ihre Kampagne den Staatspreis für Public Relations in der Kategorie „Produkt- & Service-PR“. 2012 wurde der Gold-EFFIE der International Advertising Association (IAA) in der Kategorie Konsumgüter Food/Beverages für besondere Werbeeffizienz und –kreativität an die ARGE vergeben;; 2015 folgte nochmals ein Bronze-EFFIE.
Die Marke wurde 2012 bei der EU für den Eintrag als garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.) nach Verordnung (EWG) Nr. 1848/1993 angemeldet.
Internationale Anerkennung findet diese Wirtschaftsweise auch dadurch, dass die Heumilch-Region Großes Walsertal von der UNESCO als Biosphärenpark anerkannt wird. Ebenso wurde die Dreistufenwirtschaft im Bregenzerwald 2011 in das nationale UNESCO-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, die Dreistufenwirtschaft ist die in Westösterreich übliche Form der kombinierten Heu-/Pastoralwirtschaft. Beide Regionen nehmen intensiv am Programm Teil.
Die Verwendung des Werbespruchs „Heumilch – die reinste Milch“ stößt seit Jahren bereits bei den silageverfütternden Bauern auf Widerstand, und wurde nach einer Klage durch den Getränkehersteller Fritz Egger der ARGE Heumilch 2013 vom Landesgericht Salzburg per einstweiliger Verfügung untersagt. Die ARGE hatte Revision angekündigt.
Bis 2012 konnten alle großen Handelsketten Österreichs, Rewe, Spar, Lidl und Hofer (Aldi), gewonnen werden, Heumilchprodukte ins Sortiment zu nehmen.
Inzwischen wird im bayerischen Landkreis Oberallgäu und im schweizerischen Kanton St. Gallen mit der Marke gearbeitet und auch eine Einführung des Programms staatlicherseits etwa in Baden-Württemberg diskutiert.
Eine Untersuchung 2015 ergab, dass der Bekanntheitsgrad in Österreich bei 90 Prozent liegt.
Die ARGE Heumilch setzt sich folgende Ziele:
Die Ziele entsprechen den Artikeln 10 und 11 des Protokoll Berglandwirtschaft der Alpenkonvention.
Dabei dienen die österreichische und die Landes-ARGEs als Plattform zum Austausch von Informationen und für gemeinsame Projekte und Werbung, der Entwicklung gemeinsamer Strategien, und der Interessensvertretung. Im Mittelpunkt der operativen Tätigkeiten der ARGE stehen Marketingaktivitäten in Österreich und internationalen Märkten wie Deutschland.
Im Heumilch-Regulativ der ARGE Heumilch sind die Vorschriften zur Erzeugung zusammengefasst. Die Einhaltung dieses Regulativs wird laut ARGE von unabhängigen, staatlich akkreditierten Stellen kontrolliert, von der Agrarmarkt Austria (AMA) im Rahmen des AMA-Gütesiegels überwacht.
Heumilch ist nicht zwingend Biomilch, der Anteil der Bio-Heumilch (laut EU-Bioverordnung 834/2007) an der Gesamtmenge der Marke beträgt etwa ein Viertel (der Biomilchanteil in Österreich liegt bei um die 15 %). Heumilch darf dann als Alm-/Alpmilch bezeichnet werden, wenn auch die Kriterien der ÖPUL-Maßnahme Alpung und Behirtung eingehalten werden.
Entgegen einer Aussage der damaligen deutschen Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Ilse Aigner in einer Fernsehsendung 2013 ist Heumilch nicht laktosefrei.
Heumilch, auch in den anderssprachigen Bezeichnungen englisch Haymilk, italienisch Latte fieno, französisch Lait de foin, spanisch Leche de heno, ist für die Qualitätsregelung Garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.) nach Verordnung (EWG) Nr. 1848/1993 und Nr. 1151/2012 gemeldet (eingereicht August 2012, veröffentlicht September 2014). und im Februar 2016 genehmigt.
2012 wurden etwa 41.000 Produkttonnen abgesetzt, davon in der weißen Palette (wie Trinkmilch, Naturjoghurt usw.) 36.000 t, und 4.500 t Käse. Allein in diesem Jahr konnte die Produktion um 35 % gesteigert werden. Der Anteil an der Gesamtproduktion im Milchsektor lag bei etwa 11 %, bei knapp 40 % in Tirol und Vorarlberg, bei um die 25 % in Salzburg, aber nur 5 % in der Steiermark und 2,5 % in Oberösterreich. Die 8.000 Heumilch-Bauern stellen aber 40 % der insgesamt etwa 20.000 Milcherzeuger in Österreich, was zeigt, dass die Marke primär im für den österreichischen Alpenraum typischen kleinbäuerlichen Sektor vertreten ist.
Am Endverbrauchermarkt hat sich die Marke ab 2010 in Österreich sukzessive etabliert und Marktanteile gewinnen können, Untersuchungen zufolge insbesondere gegenüber Bioprodukten und sonstigen regionalen Marken. Hauptmärkte sind im Inland, zunehmend aber auch Deutschland, wo das Marketing in den letzten Jahren forciert wurde, und Italien im Käseexport.
Das staatliche, aus EU-Mitteln kofinanzierte Österreichische Programm für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) fördert im Rahmen gesonderter Maßnahmen neben der Produktion von Biomilch sowie von Alm-/Alpmilch auch den Silageverzicht. Von dieser Förderung profitieren auch die der ARGE Heumilch angeschlossenen Produzenten. Mit der Förderungsabwicklung ist die Agrarmarkt Austria (AMA) betraut.
Die flächenbezogenen Silofrei-Prämien im ÖPUL betragen in den letzten Jahren 130–170 € pro Hektar. Der Zuschlag für Heumilch betrug 2008 durchschnittlich 2,2 Cent/kg, und reichte je nach Region von 2 bis 7 Cent/kg. Im Preisniveau lagen die Produkte mit dem Heumilch-Siegel 2010 gleich mit Produkten aus Silomilch, hier konnte noch keine höhere Wertschöpfung aus Qualitätsimage erzielt werden. 2012 erreichte er etwa 3,2 Cent/kg Milch. Für Bioheumilch wurden 2012 Zuschläge zwischen 4,5 und 5 Cent/kg bezahlt. Insgesamt belief sich die Förderungssumme 2012 auf 10 Mio. Euro (2008: 5 Mio. EUR). Nachdem 2015 seitens der EU der Milchmarkt freigegeben wurde und die Milchkontingente abgeschafft, fiel auch in Österreich der Milchpreis auf um die 30 Cent/kg, die Biomilch hingegen konnte sich bei etwa 45 Cent/kg halten, die Heumilch bei 50 Cent/kg, die Bioheumilch bei bis zu 55 Cent/kg, besonders aufgrund der stabilen Vermarktung in Österreich und der hohen Nachfrage aus Deutschland.
Von den Produzenten gehen 0,2 Cent/kg als Werbebeitrag an die Arge Heumilch. Diese hat ein Werbebudget von 3 Millionen Euro pro Jahr, 600.000 Euro von den Bauern, der Rest von Vermarktern, der AMA, und von EU, Bund und Ländern.
Neben Trinkmilch werden unter der Marke Heumilch diverse Käsesorten vertrieben. Im Register der Traditionellen Lebensmittel des Lebensministeriums gelistet und teils Leitprodukt der entsprechenden Genussregion sind:
Damit sind ein Viertel aller (bis 2014) registrierten 22 Käsesorten explizite Heumilchprodukte. Mit dem Eintrag im Register ist das Wissen um die Herstellung international geschütztes geistiges Eigentum der Allgemeinheit. Die Genussregionen spielen inzwischen eine zentrale Rolle in der Vermarktung der nach ÖPUL-Program gewonnen Produkte.
Fünf österreichische Käse tragen die EU-Herkunftsbezeichnung geschützter Ursprung: Tiroler Bergkäse g.U., Tiroler Almkäse/Tiroler Alpkäse g.U., Tiroler Graukäse g.U., Vorarlberger Bergkäse g.U., Vorarlberger Alpkäse g.U. Diese Spezialsorten sind nur aus silofreier Milch herzustellen, und werden heute von den berechtigten Käsereien auch im Rahmen der ARGE Heumilch produziert (der Erhalt dieser Marken war mit der Gründungsanlass der Heumilch-ARGEs in Tirol und Vorarlberg).

Richard Henderson

Richard Henderson (* 19. Juli 1945 in Edinburgh, Schottland) ist ein britischer Struktur- und Molekularbiologe.

Henderson erwarb 1966 an der Edinburgh University einen Bachelor in Physik und 1969 an der Cambridge University einen Ph.D. in Molekularbiologie. 1969/1970 war er zunächst als Forschungsassistent für das Laboratory of Molecular Biology (LMB) des Medical Research Council (MRC) in Cambridge tätig, bevor er zwischen 1970 und 1973 als Postdoktorand an der Yale University arbeitete. Seine weitere wissenschaftliche Karriere verbrachte Henderson wiederum am LMB, zuletzt (1986–2006) als Nachfolger von Aaron Klug als Leiter der Abteilung. Unter Hendersons Leitung arbeiteten gleichzeitig bis etwa 400 Personen im LMB. Unter ihnen waren die Nobelpreisträger César Milstein, Georges Köhler und John E. Walker.
Henderson gilt als Pionier der Elektronenmikroskopie bei der Bestimmung der Molekülstruktur von Membranproteinen. Er konnte hochauflösende (7 Ångström) Karten der Struktur des Bacteriorhodopsins erstellen, mit deren Hilfe er einen detaillierten Mechanismus dieser Protonenpumpe vorschlagen konnte, den ersten Einblick in die Funktionsweise der Proteine des Membrantransports.
Gemeinsam mit Nigel Unwin und aufbauend auf die Arbeiten von Aaron Klug und Jacques Dubochet erforschte Henderson am Laboratory of Molecular Biology (LMB) des Medical Research Council verschiedene Membranproteine, wobei sich Unwin auf Ionenkanäle konzentrierte und Henderson auf Proteine, die aus sieben α-Helices bestehen, darunter das Bacteriorhodopsin und der G-Protein-gekoppelte Rezeptor. Während sich Henderson am Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn mit Röntgenkristallographie beschäftigte, bot der Umstieg auf die Elektronenmikroskopie den Vorteil, ein Proteinkristall untersuchen zu können, das aus nur etwa 5.000 Molekülen besteht – für die Röntgenkristallographie werden vier bis fünf Zehnerpotenzen größere Kristalle benötigt.
Weitere Arbeiten Hendersons beschäftigen sich mit der Verbesserung der elektronenmikroskopischen Technik, um letztlich Membranmoleküle in nicht-kristalliner Form analysieren zu können.

Germanenmission

Als Germanenmission bezeichnet man die christliche Missionierung der Germanen in der Spätantike und im Frühmittelalter.

Im Zuge der konstantinischen Wende zu Beginn des 4. Jahrhunderts und dem folgenden Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion unter Theodosius I. im späten 4. Jahrhundert, setzte vermehrt eine Missionstätigkeit innerhalb und außerhalb des Reiches ein. Die erste Begegnung mit dem Christentum hatten die Goten, die sich auf der Balkaninsel nördlich des Unterlaufs der Donau angesiedelt hatten. Sie trafen auf Kriegsgefangene, die in ihrer Gefangenschaft Mission trieben. Schon bald gab es unter den Goten kleine christliche Gemeinschaften, die vom Germanenbischof Wulfila († 383) für den Arianismus gewonnen wurden. Mit seiner Bibelübersetzung machte er den Goten die christliche Botschaft zugänglich. Vor allem die Goten und germanischen Stämme, die im Zuge der Völkerwanderung auf dem Boden des römischen Reiches siedelten, konvertierten oft geschlossen zum Christentum; allerdings in der Regel zum Arianismus, was später zu Problemen mit der römischen Mehrheitsbevölkerung führte, die katholisch war. Von geschichtlicher Bedeutung war die Taufe von Chlodwig I. und einer nicht ganz gesicherten Anzahl von Franken – wahrscheinlich (aber nicht gesichert) im Jahr 498 zum katholischen Bekenntnis. Hier spielte der König eine wichtige Rolle, da mit seinem Übertritt ein Großteil des Stammes übertrat. im Westgotenreich wiederum setzte König Rekkared I. 589 den Übertritt der Westgoten vom arianischen zum katholischen Bekenntnis um. Eine Missionstätigkeit außerhalb des Römischen Reiches war jedoch bis zum Untergang des Weströmischen Reiches nur sporadisch und kaum zielgerichtet.
Bis zum Untergang des Weströmischen Reiches konnte das Christentum außerhalb der Reichsgrenzen in Europa nur im keltischen Irland Fuß fassen. Ähnlich war mit dem Wegfall des Kaisers als möglichem Missionsherrn eine staatliche Mission im ehemals römisch kontrollierten Bereich nicht mehr möglich. Erst karolingische Herrscher – umstritten ist, ob möglicherweise auch schon seit dem letzten bedeutenden Merowinger Dagobert I. – nahmen die Missionsarbeit wieder entschlossen auf. Die römische Kirche trat erstmals unter Gregor dem Großen als Missionsleiter im angelsächsischen England auf. Eine gewaltsame Missionierung kam im Frühmittelalter aus kirchlicher Sicht nicht in Frage, wiewohl Gregor auch die Möglichkeit erwog, gegen eine heidnische Obrigkeit, die die Missionierung behinderte, mit Waffengewalt vorzugehen. Ideen, die die späteren Kreuzzüge auch nach Osteuropa inspirierten, stammten aus späterer Zeit.
Die gewaltsame Missionierung der Germanen (Sachsenkriege) fand in Deutschland ihren Höhepunkt während der Expansion des Fränkischen Reiches nach Norden und Osten. Die Nordgermanen, insbesondere die Svear (namensgebend für Schweden), entzogen sich der Christianisierung Skandinaviens teilweise bis ins 12. Jahrhundert.

Robert Andras

Robert Knight Andras PC (* 20. Februar 1921 in Lachine, Montreal, Québec; † 17. November 1982) war ein kanadischer Unternehmer und Politiker der Liberalen Partei, der mehrere Abgeordneter des Unterhauses sowie Minister war.
Andras trat als Soldat der Canadian Army bei und nahm am Zweiten Weltkrieg teil. Später blieb er Angehöriger der Armee und wurde zuletzt zum Major befördert. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee war er als in der Privatwirtschaft tätig und wurde zunächst 1958 Geschäftsführer des Autohandelsunternehmens Gibson Motors Ltd., dessen Eigentümer er 1960 wurde.
Bei der Unterhauswahl vom 8. November 1965 wurde er als Kandidat der Liberalen Partei erstmals zum Abgeordneten des Unterhauses gewählt und vertrat dort zunächst bis zur Unterhauswahl am 22. Mai 1979 den Wahlkreis Port Arthur sowie anschließend bis zu seinem Ausscheiden aus dem Unterhaus am 17. Februar 1980 den Wahlkreis Thunder Bay-Nipigon. Zu Beginn seiner Parlamentszugehörigkeit war er Mitglied verschiedener Ständiger Ausschüsses des Unterhauses.
Am 6. Juli 1968 wurde Andras von Premierminister Pierre Trudeau erstmals in die 20. Regierung Kanadas berufen, und zwar zunächst als Minister ohne Geschäftsbereich. Im Rahmen einer Kabinettsumbildung wurde er am 30. Juni 1971 Staatsminister für urbane Angelegenheiten und danach am 28. Januar 1972 Minister für Konsumenten- und Unternehmensangelegenheiten. Bei einer erneuten Regierungsumbildung ernannte ihn Trudeau am 27. November 1972 zum Minister für Arbeitskräfte und Einwanderung, ehe er am 14. September 1976 Präsident des Schatzamtes wurde. Zuletzt war Andras im 20. Kabinett vom 24. November 1978 bis zum 3. Juni 1979 Staatsminister für wirtschaftliche Entwicklung.